Ein Teller, ein Tag, ein neues Gericht - mit Michael Mohr im Kaffeklatsch

Shownotes

In dieser Folge sprechen wir mit Michael Mohr, einem Koch, der nicht nur Kochkurse gibt, sondern sich selbst jeden Tag aufs Neue herausfordert: jeden Tag ein anderes Gericht auf dem eigenen Teller. Wir reden über Kreativität in der Küche, Routinen vs. Spontanität, Lieblingszutaten und darüber, was gutes Kochen wirklich ausmacht, ganz ohne Sterneküchen-Druck, dafür mit viel Geschmack und Persönlichkeit.

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00:00:02: Der Allgäuhit

00:00:02: Kaffeklatsch wird präsentiert von den Lebensgestaltern.

00:00:06: Stundenweise Zuwendung statt getakteter Hektik.

00:00:10: Dein ambulanter Dienst im Allgäu für Pflege und Betreuung mit Zeit.

00:00:15: Es wird ein bisschen kulinarisch heute.

00:00:17: Michael Moor, mein Gast.

00:00:18: Wir haben uns auf ein Duge einet.

00:00:20: Servus.

00:00:20: Michi, grüß dich.

00:00:21: Hallo, grüß dich.

00:00:22: Darf ich Michi sagen oder nicht?

00:00:23: Ja, alles gut.

00:00:24: Schön, dass du da bist aus Zulzberg.

00:00:26: Bist du?

00:00:27: Und du bist der King?

00:00:30: Am Kochtopf.

00:00:33: Den Titel hat nur

00:00:33: noch keiner gegeben.

00:00:35: Und ich vergeb den Titel, obwohl ich nicht mehr was verköstigt habe von dir.

00:00:39: Mutig, mutig von meiner Seite.

00:00:41: Hobbykoch vielleicht so viel vorab.

00:00:44: Was ist deine Lieblingsküche jetzt nur von den R-Teilen her betrachtet?

00:00:49: Also ich liebe alle Küchen dieser Welt.

00:00:51: In jeder Küche gibt es was Tolles und ich kann mich gar nicht festlegen.

00:00:54: Michael Mohr aus Sulzberg, Hobbykoch aus Leidenschaft und das seit Jahrzehnten, oder kann ich das?

00:01:00: Und darf ich schon so sagen?

00:01:01: Ja, überführende Jahre.

00:01:02: Krass, und du warst wahrscheinlich in jedem Land dieser Erde.

00:01:06: Nicht das.

00:01:08: Das wäre schön, aber es fehlen noch einige.

00:01:10: Es ist ein Lebensmittelpunkt inzwischen.

00:01:16: Du bist jetzt aber kein gewürdiger Allgäuer.

00:01:19: Ich komme ursprünglich aus dem Bodensee, den bin ich vor einigen Jahren entsprungen.

00:01:23: Konstanz am Bodensee ist meine Heimat.

00:01:25: Und da hat mich eben mein Weg um die Welt geführt und letztendlich bin ich im Allgäuer gelandet.

00:01:30: Und zwar zum zweiten Mal, ich war schon mal im Allgäuer, musste dann beruflich wieder weg und dann bin ich jetzt zurückgekommen.

00:01:35: Ein Wiederholungstäter.

00:01:36: Im positiven Sinne.

00:01:37: Ein Rückkehrer.

00:01:39: Du bist ja quasi mit Fälchen aufgewachsen, wenn du direkt am Ufer des Bodensees groß geworden bist mit heimischen Fischsorten und Arten.

00:01:47: Wer hat dich so ein bisschen kulinarisch inspiriert, vielleicht schon als Kind, gab es jemand in der Familie?

00:01:54: Sondern das lecker hat kochen können.

00:01:56: Ich habe immer gern gegessen und meine Mutter hat uns bestens versorgt.

00:01:59: Also hat immer geschmeckt.

00:02:01: Und irgendwann war es halt zu Ende, denn ich bin ausgezogen.

00:02:04: Ja, es kam der Tag

00:02:06: X. Und dann habe ich angefangen mit Spaghetti.

00:02:10: Nicht mit Rabioli aus, was du siehst.

00:02:14: Das ist so bei den Studenten echt auf die klassische, diese typische.

00:02:19: Jeder muss im Leben einmal eine Dose Ravioli aufgemacht und den Inhalt auch gegessen haben.

00:02:23: Ist jetzt nicht zu empfehlen, aber ich habe es auch getan.

00:02:28: Also die Spaghetti Selfmade dann dabei dir in der heimischen Little Kitchen.

00:02:32: Genau, die ersten wurden ziemlich al dente.

00:02:36: Aber ich hab sie trotzdem gegessen.

00:02:37: Ja, der Hunger hat's neidrieben oder wie mir so sagen.

00:02:41: Aber jetzt gerade weil du angesprochen hast, deine Mama hat so lecker gekocht, hatte sie so ein bisschen eher die Süßspeisen, eher das würzige, eher Aufläufe oder was hat dich so geprägt, vielleicht auch beim Aufwachsen?

00:02:54: Also ich hätte im Prinzip alles gut gemacht, aber ich habe gerne immer herzhafte Küche gegessen und da sind mir die meisten Gerichte in Erinnerung.

00:03:02: Sie hat auch gebacken, sehr verständlich.

00:03:05: Auch an Weihnachten, dann Weihnachtsbeckere mit uns Kindern, ist da klar.

00:03:08: Aber die salzigen Gerichte oder die herzhaften sind schon eher das, was hängen geblieben

00:03:12: ist bei mir.

00:03:13: Was ist das so dein Favourite noch aus der Kindheit, wo du jetzt immer noch schwärms und dir die zehn Finger

00:03:19: abschlägst?

00:03:20: Also es ist so, Ja, als Kinder durften uns ein Gewurtstag in meinen Essen aussuchen und über Jahre hinweg habe ich mir eines ausgesucht, das naam ich nicht sage, weil es ein Fertiggericht ist.

00:03:29: Okay.

00:03:29: Okay.

00:03:30: Das habe ich mir damals immer kochen lassen.

00:03:32: Mein Buller wollte immer Kästspatzen haben und ich wollte immer das andere haben.

00:03:37: Ich kann gar nicht verstehen, dass ich das früher gerne gegessen habe.

00:03:40: Aber es war auch ein Pastagericht.

00:03:42: Okay.

00:03:43: So,

00:03:44: jetzt muss ich raten.

00:03:45: Aber deine Mama hat ja mit Sicherheit nicht, die hat ja auch meine Fledelsuppe.

00:03:49: Ja, natürlich.

00:03:50: Also alles.

00:03:51: Fälchen, renken, Karben, die

00:03:52: für

00:03:53: Forelle blauer ist, man.

00:03:54: Ja,

00:03:54: alles.

00:03:55: Also von Fleischgericht, Braten, gegrillte Sachen, Suppen, alles.

00:04:02: Und meine Mutter hat gut gekocht

00:04:03: immer.

00:04:05: Jetzt bist du ja beruflich dann irgendwie mal, hast du was gelernt, wo du um die Welt gechattet bist?

00:04:10: So ist es.

00:04:11: Und immer wieder eine Tischstation in den unterschiedlichsten Ländern gemacht hast und original?

00:04:16: Ja.

00:04:17: Das

00:04:17: ist, was ich privat mitnehmen konnte von all diesen Geschäftsreisen.

00:04:22: Ich habe Vertrieb gemacht weltweit für Erklärungsbedürftige Produkte und so bin ich eben in viele Länder gekommen und dort habe ich dann die wahre Küche gehe.

00:04:31: Ich habe vorher gerne im China-Restaurant gegessen, zum Beispiel.

00:04:34: Und als ich zum ersten Mal in China war, habe ich festgestellt, dass es was ganz anderes ist.

00:04:37: Und es hat mich so fasziniert, dass ich gesagt habe, ich muss Rezepte sammeln, dass ich das zu Hause selbst nachkochen kann.

00:04:42: Denn es war halt einfach dann nicht mehr das Gleiche.

00:04:46: Es war klar.

00:04:48: Heute muss man mich prügeln, um ins China-Restaurant zu gehen.

00:04:51: Ja, es ist natürlich alles eingeeuropäisch, wie man das so schön sagt.

00:04:56: Ich war jetzt noch nie in China, aber so, ich könnte mir vorstellen, dass diese ur-kinesische Küche oder die richtige, die eigentliche kinesische Küche mitunter auch sehr sehr scharf ist, was so ein europäischer Magen vielleicht gar nicht so verträgt, oder?

00:05:11: Ja, also die Küchen in China sind ein bisschen eingeteilt.

00:05:13: Die scharfen Küchen sind eher so im Zentrum, also Sichuan, wenn man das kennt oder schon mal gehört hat, oder auch in Hönan.

00:05:20: Das sind Provinzen, wo richtig scharf gekocht wird.

00:05:23: In Shanghai eher süßlich, im Norden eher salzig.

00:05:27: Also es sind schon Regionen in China, wo die großen Küchen sich über das ganze Land legen, aber dann gibt es natürlich hunderte und tausende von Regionalküchen, die dann nochmal anders sind.

00:05:36: Ist da die scharfe Variante oder die scharfe Version eher Deins oder so?

00:05:40: Das ist süßwürzige, süßsalzig?

00:05:43: Also wie immer esse ich alles, aber das scharfe Essen habe ich in China kennengelernt.

00:05:47: Anfangs konnte ich überhaupt nicht scharf essen.

00:05:49: Und nach dem ersten Mal im Sichuan Restaurant ist mir der Schweiß ausgebrochen und irgendwann habe ich festgestellt, ich esse immer schärfer und schärfer und denke, es ist gar nicht scharf heute.

00:05:59: Und heute esse ich so scharf, dass manche sagen, das könnt ihr nicht essen.

00:06:03: Aber ich merke es gar

00:06:03: nicht.

00:06:04: Was ist denn dein Schärfegrad vom Essen her?

00:06:06: Wie scharf ist scharf bei dir?

00:06:09: Ja, das kann man, glaube ich, nur in Skobil messen.

00:06:13: Also Habaneros zum Beispiel, nehme ich gerne.

00:06:15: Das ist eine Chiliart.

00:06:17: Das geht zu den Schärfsten mit dreihunderttausend Skruvillen.

00:06:20: Und vor Kurzem habe ich mir die Urtchili bekommen lassen.

00:06:23: Hat aber nur hundertfünfzigtausend zum Beispiel.

00:06:25: Okay, die ist ja richtig

00:06:26: mült.

00:06:27: Das ist was, um nebenher

00:06:28: knabbern.

00:06:29: Ja, wie andere Leute Erdnüsse.

00:06:31: So ist es.

00:06:32: Jetzt war dir diese kleinen Chili-Kügelen.

00:06:34: Genau.

00:06:35: Jetzt bist du über Jahre hinweg jobmäßig ja überall hingekommen.

00:06:40: Das Asiatische habe ich, glaube ich, so ein bisschen rausgehört.

00:06:42: Es ist schon was, was dir liegt oder was du magst.

00:06:45: Aber du warst ja auch in Afrika, in anderen Ländern, Amerika, Südamerika.

00:06:52: Was ist tatsächlich so der Dein favorite flavor, also vom Grundgeschmack her, wo ist dein Herz zu Hause?

00:07:00: In welcher Küche hängt's am meisten?

00:07:02: Also die Chinesen haben was, was sehr viel Umami hat und zur Sojasauce und das macht immer gleich einen guten Geschmack.

00:07:08: Also nicht nur die Chinesen, natürlich gibt's Sojasauce auch in anderen asiatischen Ländern, aber da hab ich's halt kennengelernt oder mehr kennengelernt als früher.

00:07:16: Und das gibt immer schon eine richtige Grundwürze und da drauf aufbauen eben die ganzen anderen Geschmäcker.

00:07:22: Das macht schon Eine gewisse Tiefe.

00:07:24: dann, ne?

00:07:25: Das ist schon toll.

00:07:27: Jetzt bist du Hobbykoch schon seit vielen, vielen Jahren.

00:07:30: Hast du dann irgendwie dein Umfeld, dein soziales Umfeld auch immer wieder mal bekocht und wolltest Feedback haben, wie dir das ein oder andere Gericht vielleicht auch gelungen ist?

00:07:39: Also Freundes, Bekanntenkreis, die können sich bei dir immer wieder mal durchschlemmen?

00:07:45: Ja, also so ist es.

00:07:46: Manche kommen auch und sagen, kocht doch mal wieder mal das oder jenes.

00:07:50: Ja.

00:07:50: Und dann mache ich es auch.

00:07:52: Aber ich habe so viel zu kochen, dass ich, ja, ich koche jedes Gericht praktisch nur einmal.

00:07:59: Okay.

00:08:00: Ja, ich kann.

00:08:00: seit dem Jahr zwei Tausend Neunzehn koche ich jedes jeden Tag ein anderes Gericht oder mehrere andere Gerichte, denn ich möchte langfristig eine Webseite eröffnen mit eigenen Rezepten, also mit selbst gekochten Rezepten, aber immer originale Rezepte.

00:08:12: Und da habe ich gar nicht so viel Zeit, mehr Sachen mehrfach zu kochen.

00:08:16: Dieses Gericht war ich mehrfach, was ich mehrfach koche, fehlt mir da natürlich am

00:08:19: Ende.

00:08:19: Am Ende, ja, ja.

00:08:21: So ist es.

00:08:21: Aber wenn Leute kommen und sagen, Mensch, mach doch mal, dann bin ich nicht.

00:08:25: Daniel gesagt, nee, ich habe keine Zeit.

00:08:26: Das musst du dir natürlich fragen, was gab es gestern bei dir zu essen?

00:08:30: Gestern habe ich nur was gebacken.

00:08:31: Und zwar noch ein Weihnachtsgebäck aus Portugal, das ich vor Weihnachten nicht mehr geschaffen habe.

00:08:37: Das hieß A. Das weiß ich nicht mehr auswendig.

00:08:42: Asevitas.

00:08:42: Genau, Asevitas.

00:08:43: Ich weiß wahrscheinlich ganz falsch aus, weil ich kein Portugiesisch kann, aber schreibt sich Asevita mit Z. Und das ist

00:08:51: ein

00:08:51: Krapfen, der ist gefüllt mit Kichererbsen, Zucker, Zimt und Zitrone.

00:08:57: Oh, und guckt auch aus, wird auch ein Fett ausgebacken, so wie jetzt bei uns im Kopf

00:09:01: der Krapfen.

00:09:02: Ganz genau.

00:09:02: Es ist ein Mürbeteig, der wird gefühlt und verdiert und danach gibt es noch ein bisschen Butterzucker.

00:09:10: Hört sich auch nicht schlecht an.

00:09:12: Weil überraschend

00:09:12: gut.

00:09:13: Wie viele Rezepte hast du jetzt schon gekocht?

00:09:17: Einmal?

00:09:18: Aktuell sind es dreitausend.

00:09:22: Aber wie kocht man denn dann für eine Person?

00:09:24: Sag ich jetzt einfach mal, wenn du kochst, für wie viele Personen kochst du da?

00:09:28: Für mich?

00:09:30: Für dich.

00:09:30: Das ist ja noch schwieriger.

00:09:32: Also rein von so einem Rezept auf eine Person dann runterzubrechen, weil du isst ja das am nächsten Tag nicht.

00:09:39: Man könnte ja gut zwei Tage von essen.

00:09:41: Also es ist so, es gibt Gerichte, die kann man nicht für eine Person kochen.

00:09:45: Alle Gulaschsachen, alle Geschmorten.

00:09:47: Ja, oder so, geht

00:09:48: nicht.

00:09:49: für mehrere Leute kochen.

00:09:50: Manchmal habe ich tatsächlich Gäste, die essen mit.

00:09:52: Aber es gibt doch Sachen, die man einfrieren kann.

00:09:54: und irgendwann, wenn man mal keine Zeit zum Kochen hat, sowas gibt es auch, dass ich mal einen Tag gar nichts koche oder zwei, dann mache ich mal eine E-Arktis auf, also mein Refreschrank und hole das dann raus und freue mich, dass ich es nochmal essen darf.

00:10:07: Aber kochen tue ich es nicht

00:10:07: mehr.

00:10:09: Was heißt kochen für dich?

00:10:10: oder was bedeutet am Herd stehen oder in der Küche stehen für dich?

00:10:14: Also für mich ist es in erster Linie Sinnlichkeit, weil Kochen ist für alle Sinne.

00:10:19: Wir hören es essen, wenn es brutzelt, wenn wir mal drauf beißen, das ist knusprig oder sowas.

00:10:26: Wir riechen es natürlich, wir schmecken es, wir sehen es und wir fühlen es auch im Mund.

00:10:30: Also alle fünf Sinne werden angesprochen vom Essen und das ist was für mich eigentlich die große Faszination ist.

00:10:35: und dann die Abwechslung, jeden Tag was anderes zu kochen, als jeden Tag einen neuen Geschmack zu erleben.

00:10:40: Ja.

00:10:41: Hier liegen schon verschiedene Gerüche und Düfte bei mir auch im Studio.

00:10:47: Jetzt hast du viele Rezepte gesammelt, kochst jeden Tag ein neues Rezept und jedes Rezept nur einmal und du bist auf der Suche nach Gleichgesinnten gewesen bzw.

00:10:59: wolltest Gleichgesinnte treffen.

00:11:02: Das heißt, dich hat es irgendwann zur VHS verschlagen.

00:11:05: Ja, so kann man sagen.

00:11:07: Also ich habe viele Rezepte zu Hause gehabt und habe mir gedacht, was machst du jetzt damit?

00:11:11: Teilen ist immer schön, finde ich.

00:11:14: Ich suche mir Leute, mit denen ich koche.

00:11:16: In meiner Küche zu Hause ist es sehr schnell sehr eng.

00:11:19: Da dachte ich, Mensch, Volkshochschule, das ist doch was.

00:11:21: Vielleicht gibt es Leute, die Spaß haben am Kochen und die auch mal den Originalgeschmack der Speisen aus dem Ausland kennenlernen möchten.

00:11:28: Und so fing es an.

00:11:29: Der erste Kurs, den ich gemacht habe, der hieß Original Italienische Küche.

00:11:33: Gerichte, die es beim Italiener um die Ecke nicht

00:11:35: gibt.

00:11:37: Welches war da dabei?

00:11:39: Das allererste,

00:11:40: da hatte ich eine Lasagne gemacht, allerdings eine Lasagne ohne Nudeln, sondern mit Brot.

00:11:47: Und zwar war das ein Brot, das heißt Panikadasso, das ist ein Brot, das es auf Sardinen gibt.

00:11:52: Und das ersetzt dann die Teigplatten und da war drin eine Bechamelsoße natürlich, aber eine mit Zucchini.

00:12:00: Und es war kein Fleisch drin, kein Hackfleisch, wie wir es kennen, sondern es war Martadella drin und ein geräuchter Käse Skamorza.

00:12:08: Bist du einfach mal zur VHS-Gang, klopf, klopf, klopf?

00:12:11: Ich bin weit gereist, ich habe einen guten Geschmack, eine gute Zunge, einen feinen Gaumen.

00:12:17: Braucht ihr nicht irgendwie in eurer Ruprik Kochkurse noch jemand der Originalküche kocht?

00:12:24: So war das, in der Kurzform, oder?

00:12:25: Genau so trifft es.

00:12:27: Und dein erster Kurs war

00:12:29: Italienische Küche

00:12:31: mit

00:12:32: Gerichten, die es beim Italiener und die Ecke nicht

00:12:34: gibt.

00:12:35: Und das war so der Startschuss für eine zweite Karriere, kann man fast sagen, oder?

00:12:41: Karriere will ich es nicht nennen, aber es ist ein Hobby, was mich doch sehr beschäftigt.

00:12:46: Vielleicht einmal zum Aufbau von so einem Kurs, dass du da ein bisschen so ein paar Eckdaten einfach gibt.

00:12:51: Für wie viele Pipel das ist, wie lang dauert's?

00:12:54: Was muss ich denn auch mitbringen?

00:12:56: Ja, also ich biete die Kurse der Volkshochschule im Regelfall an und die Volkshochschule entscheidet, welche Kurse sie in der Programm aufnimmt.

00:13:05: Und dann ist das Abhängen von der Volkshochschule, wie viele Mindesteilnehmer zusammenkommen müssen, damit der Kurs auch stattfindet.

00:13:10: Es gibt Volkshochschulen, die machen ab vier Teilnehmer.

00:13:13: Es gibt andere, die machen ab acht Teilnehmer.

00:13:15: Ganz unterschiedlich.

00:13:16: Genau.

00:13:16: Und dann kann es je nach Küchengröße gehen bis zu zwölf Teilnehmer.

00:13:20: Es gibt auch Volksverschulden, die machen nur zehn Teilnehmer.

00:13:24: Und dann dauert das in der Regel vier Stunden.

00:13:26: Ich mache also einen Kurs an einem Tag.

00:13:29: Und da widmen wir uns einem Thema, entweder einer Länderküche, einer Themenküche, was auch immer.

00:13:37: Und da kochen wir dann alles, was wir brauchen, im Prinzip selbst, von Grund auf.

00:13:41: Also alle Pippen, die da sind, schnöbeln dann synchron Zwiebeln.

00:13:46: Ja, also ich verteile die Aufgaben schon ein bisschen.

00:13:48: Also normalerweise mache ich drei Gerichte pro Kochkurs.

00:13:52: Okay.

00:13:53: Und am Anfang mache ich dann so eine Art Mise en Place, heißt das.

00:13:56: Wir schneiden also alles klein.

00:13:58: Das ist relativ chaotisch, da macht man für jedes Gericht irgendwas.

00:14:01: Aber wenn wir es dann fertig haben, dann decken wir es ab, damit es nicht austrocknet.

00:14:07: und verarbeiten es dann Rezept für Rezept, sodass jeder mitbekommt, wie das jeweilige Gericht gekocht wird.

00:14:13: Wir kochen uns auch oft in mehreren Portionen, dass mehr Leute die Chance haben, das Einzelne Gericht auch tatsächlich selbst zu kochen.

00:14:21: Sind es dann alles schon Hobbyköche, die da sind oder auch wirklich so, die sagen, hey, ich hab irgendwie, klar, ich weiß, wenn der Pfanne ausschaut, weil es ein Schaber ausschaut, aber selber kreiert habe ich noch nix.

00:14:33: Also es gibt Leute, die haben tatsächlich viel Koch-Erfahrung.

00:14:37: Es gibt aber auch Leute, die wirklich mal Null anfangen.

00:14:39: Und für all die Leute habe ich was.

00:14:41: Also es sind immer alle Leute, die willkommen in allen Kursen, außer in einem, wo man ein bisschen Vorkenntnisse braucht.

00:14:46: Und sonst kann jeder kommen, der Lust hat.

00:14:48: Ich habe von acht bis achtzig und darüber hinaus Leute, die auch regelmäßig kommen.

00:14:54: Also ich habe in Kaufbau und zum Beispiel haben wir gerade einen Paar, das bucht fast alle Kurse hier im Semester.

00:15:02: Schlemmt sich mit dir doch sehr.

00:15:06: Es ist aktuell an Länderküche.

00:15:09: oder welche Kurse widest du da momentan ab?

00:15:12: Variiert natürlich auch.

00:15:13: Einmal ist es vielleicht portugiesische Küche, dann eventuell französische Küche, la cuisine, François.

00:15:20: Also ganz so ist es nicht.

00:15:22: Ich habe Kurse, die immer mehr werden.

00:15:24: Also anfangs habe ich mit einem Kurs angefangen, im Italienisch.

00:15:27: Mittlerweile mache ich vierzehn verschiedene Kurse.

00:15:30: Die sind alle immer da, die kann jede Volkshochschule buchen bei mir oder auch nicht.

00:15:34: Und da ist drin die italienische nach wie vor.

00:15:37: Ich habe chinesische Küche natürlich, thailändische Küche, aber auch Themen, Küchen wie zum Beispiel Fast Food.

00:15:43: Fast Food, aber frisch und gesund heißt der Kurs.

00:15:45: Das heißt, wir machen dort alles selbst, ohne Konservierungsstoffe, ohne Farbstoffe, ohne Antioxidantien und was da alles reinkommt.

00:15:53: Wir machen das so, dass es auch gesund ist.

00:15:56: Dann gibt es auch einen Kurs, da geht es tatsächlich um Handwerkliches, die Anfängerkurse, die ich mache.

00:16:00: Da ist so schnibbel die Schnappke, wie man so eine ganz schnell auch meine Gurke so.

00:16:04: Genau, wie macht man kleine Zwiebeln zum Beispiel, wie macht der Kineser den Knoblauch und den immer kleinen effizient.

00:16:11: Wie es die Schnittmöglichkeiten gibt es, wie brät man, wie kocht man, wie dämpft man.

00:16:15: Also es sind die Grunderkenntnisse im Anfängerkurs.

00:16:18: Und dann geht es hin bis zur gehobenen Küche, wo wir dann wirklich so Schikimik-Sachen machen, die man auch beinahe in ein Sterne Restaurant bringen könnte.

00:16:25: Cool, also wirklich von A wie Anis bis Z, das ist so zimt.

00:16:32: Wie ist so das Verhältnis, Männlein, Weiblein bei dir im Kurse?

00:16:36: Also die meisten Kurse haben deutlich mehr Frauen als Männer, das ist so.

00:16:41: Aber es gibt einen Kurs, da kommen nur Männer, weil es so konzipiert ist.

00:16:45: Fast da geht immer, aber nur für Männer.

00:16:49: Und dann sind natürlich keine Frauen zugelassen für den einen Kurs, aber sonst würden alle kommen, die wollen.

00:16:55: Und von der Altersrange hast du schon gesagt, bis zu Achtzig.

00:16:57: Also auch eine Oma oder vielleicht hat man da Omi mal ein nettes Gewürzelschränk gemacht.

00:17:04: Erstaunlicherweise war es ein OP in dem Fall, der auch schon deutlich über Achtzig war.

00:17:08: Es war einer aus Füßen, der ein paar Mal zum Kurs gekommen ist und noch was dran hatte.

00:17:14: Das war so, glaube ich, mein älter Teilnehmer.

00:17:16: Und der Jüngste, ich war, glaube ich, zehn.

00:17:19: Es muss sich Michael Moore natürlich fragen, wieviel Kilos hast du schon zugenommen, seit du ausgiebig kochst?

00:17:27: Kein einziges.

00:17:29: Ja, die richtige Ernährung mit den richtigen Zutaten, auch ein bisschen Schärfe, die dann die Fettverbrennung vielleicht ankurbeln, bleibt man beim Gewicht.

00:17:38: Genau, Ernährung ist ja nicht viel Essen, sondern gut Essen für mich.

00:17:41: Ja.

00:17:41: Und Kochen ist für mich Lebensqualität.

00:17:44: Mir selbst was Gutes zu tun und auch schon beim Kochen zu sehen, was später auf meinem Teller landen wird.

00:17:49: Das ist das Erlebnis, was ich eigentlich immer suche, wenn ich selbst

00:17:51: koche.

00:17:51: Ja, Essen ist Genuss.

00:17:54: Und Genuss geht nicht schnell.

00:17:56: Genuss kann nicht fast sein, sondern slow-Food, oder?

00:18:01: Ja, selbst mein Fast-Food-Kurs ist slow-Food, da wirst du alles selbst erst herstellen.

00:18:06: Zum Fast-Food wird es, wenn man es dann einfrieren, hinterher wieder warm macht, dann ist es tatsächlich fast-Food geworden, aber ist trotzdem gut geworden, weil es eben ohne die ganzen

00:18:14: Zusatzstoffe ist.

00:18:15: Und auch dieses Koch-Feeling, diese Lebensphilosophie ist es ja eigentlich irgendwo.

00:18:20: Das transportierst du natürlich auch in deinen Kursen und triffst da auf Gleichgesinnte, die auch diese Zelebrieren, diese Gemeinsamkeit, auch in der Gemeinschaft, was Kreatives schaffen.

00:18:33: Das ist, glaube ich, auch so.

00:18:35: Ja, also ich habe schon sehr unterschiedliche Teilnehmer, manche, die auch das Schnelle suchen, wenn es klar, wenn jemand eine Familie zu versorgen hat, kann ich stundenlang kochen.

00:18:43: Das verstehe ich auch.

00:18:44: Aber ich versuche schon immer auch zu vermitteln, dass Kochen Lebenszeit ist und wirklich eine Lebensqualität mit sich bringt, die man nicht hat, wenn man es nicht selbst kocht.

00:18:55: Und es gibt immer viele Leute auch, die dann sagen, ja, es hat Spaß gemacht und es hat geschmeckt und die kommen wieder, ist klar.

00:19:03: Und das ist, was ich eigentlich will.

00:19:05: Also das Schönste für mich ist, wenn Leute wieder zum Kochkurs kommen oder wenn sie mir Fotos schicken von Bildern, wenn sie es zu Hause nachgeschickt haben.

00:19:11: Manche schicken tatsächlich E-Mails mit Bildern und haben gesagt, schau mal, ich habe es nachgekocht.

00:19:14: und dann weiß ich, jetzt sind meine Rezepte bei den Leuten zu Hause im Leben angekommen.

00:19:19: Das ist auch so, da treffen sich ja Leute, die haben einen gemeinsamen Nenner eben diese Lust oder diese Freude am Essen zubereiten, am kreieren und dann auch in der Gemeinschaft das zu verköstigen.

00:19:31: Ja,

00:19:32: so.

00:19:33: Und das nachhaltig ja irgendwo auch.

00:19:35: Es treffen sich Leute aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten, die sie sonst nie kennengelernt hätten und gründen dann zum Beispiel hinter einer WhatsApp-Gruppe, um in Kontakt zu bleiben.

00:19:43: Also, weil das habe ich schon beobachtet, das gibt es relativ häufig.

00:19:47: Das ist eigentlich was Schönes, Freude am Kochen, am Genuss weiterzugeben und man sieht, dass sich das so profilfältig

00:19:55: ist.

00:19:55: Das ist Gemeinsame.

00:19:55: Ja, das ist Gemeinsame.

00:19:57: Welche Länder fehlen denn dir noch zum... Essen oder zum Ausprobieren, zum Gerichte mit nach Hause bringen.

00:20:04: Also mein Großkuster hat mich vor einigen Jahren mal gefragt, wo ich denn schon überall war und da haben wir uns mal die Landkarte vorgenommen.

00:20:11: Da sind so viele Pins

00:20:12: drin, ist schon alles abgedeckt.

00:20:14: Damals kamen wir so auf etwa siebzig Länder, die ich bereist habe, aber das ist schon fünfzehn Jahre her, danach sind noch einige dazu gekommen.

00:20:20: Also ein weißes Gebiet ist für mich doch Afrika, da war ich nicht so oft und auch immer nur am Rande von Afrika, nie so wirklich drin.

00:20:30: Also da würde ich schon gerne mal noch einiges entdecken.

00:20:32: Und bis dato deine Lieblingsküche oder dein Lieblingsrezept, wo du sagst, okay, du hast zwar diesen Vorsatz, jeden Tag ein neues Rezept zu kochen, zu archivieren und das dann auch irgendwann mal gebündelt nach draußen schicken, aber gibt es irgendwie tatsächlich Eingericht, wo du sagst, okay, nehme ich so zwischendurch trotzdem immer wieder mal mit rein.

00:20:53: Mein liebstes Rezept ist das nächste Rezept, was ich

00:20:55: koche.

00:20:57: Du bist da kein Wiederholungstheter, insoweit dann zweimal, zweimal begonnen.

00:21:01: Immer was Neues ausprobieren, das ist was mich reizt an der Geschichte.

00:21:05: Immer wieder neue Geschmäcker zu haben und zu sagen, Mensch, das war jetzt toll, das wäre vielleicht auch mal was für ein Kochkurs.

00:21:10: Von den dreitausend Rezepten, die ich habe, kommen ja nicht alle in den Kochkursen an.

00:21:15: Die, die ich in den vier Stunden machen kann, die, die auch für die Leute geeignet sind, ist da klar.

00:21:19: Aber so die ganz exotischen Sachen kann ich da nicht

00:21:21: bringen.

00:21:23: Es ist auch schon umgekehrt gewesen, dass ein Koßteilnehmer zu dir gesagt hat, hey, du, das ist mein Lieblingsrezept.

00:21:30: Ich geb dir das jetzt einfach kochsmal daheim nach.

00:21:32: Nee, das ist noch nicht vorgekommen.

00:21:34: Also die Leute, die nehmen eigentlich gerne die Rezepte mit, die sagen auch, das mache ich auf jeden Fall zu Hause, wenn sie es im Kochkurs gemacht hatten.

00:21:41: Aber dass jemand Rezepte mitgebracht hat, gab es noch nicht.

00:21:45: Aber vielleicht kommt es jetzt.

00:21:47: Nach diesem Tag heute, vielleicht fühlt sich jemand inspiriert, mir auch Rezepte zu bringen.

00:21:52: Was kann ich dir wünschen?

00:21:53: Gut Kochlöffel, gut Nase, gut Geschmack?

00:21:56: Dass der Strom an Leuten, die mit mir kochen, wohl nie versiegen wird.

00:21:59: Schönes Schlusswort.

00:22:00: Danke fürs Zas, ein wicher Ivoas Zulzberg.

00:22:02: Ich

00:22:03: danke auch.

00:22:03: Schöne Grüße ins Allgäu.

00:22:05: Der

00:22:05: Allgäu-Hit Kaffee-Clutch wurde präsentiert von den Lebensgestaltern.

00:22:10: Stundenweise Zuwendung stattgetakteter Hektik.

00:22:13: Dein ambulanter Dienst im Allgäu für Pflege und Betreuung mit Zeit.

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