Mut, Höhe, Leidenschaft – Kaffeeklatsch mit Lara Neumeier

Shownotes

Im AllgäuHIT-Kaffeeklatsch war diesmal Lara Neumeier zu Gast. Die Trad- und Bigwallkletterin aus Füssen nimmt uns mit in ihre Welt aus steilen Wänden, großer Höhe und absolutem Fokus. Wir sprechen über ihre Leidenschaft fürs Klettern, mentale Stärke, spektakuläre Touren und darüber, was es braucht, um sich an großen Wänden zurechtzufinden. Ein spannender Kaffeeklatsch mit außergewöhnlichen Einblicken in einen besonderen Bergsport.

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00:00:02: Der Allgäuhit Kaffeklatsch wird präsentiert von den Lebensgestaltern.

00:00:06: Stundenweise Zuwendung statt getakteter Hektik.

00:00:10: Dein ambulanter Dienst im Allgäu für Pflege und Betreuung mit Zeit.

00:00:16: So, Nala, jetzt haben wir einen neuen Gast hier bei mir im Kaffeklatsch an diesem Mittwoch, Lara Neumauer.

00:00:23: Schön, dass du da bist, Lara.

00:00:25: Servus.

00:00:26: Ja, freut mich, dass ich heute hier sein darf.

00:00:28: Danke für die Einladung.

00:00:29: Sehr, sehr gerne.

00:00:30: Du nimmst uns mit an die Felswand.

00:00:33: Kann ich das so sagen?

00:00:34: Zumindest mit meinem fiktiven dritten Auge.

00:00:37: Du bist extrem Kletterer?

00:00:39: Genau, also ich bin Felskletterer, würde ich erst mal sagen.

00:00:45: Ich kletter aber vor allem an hohen Alpinenwänden.

00:00:49: Und das machst du natürlich ein bisschen extremer.

00:00:53: Nur ein bisschen, gell?

00:00:56: Ich fahr mich auf die Stunde.

00:00:58: Noch haben wir festen Boden unter den Füßen.

00:01:01: Aber gedanklich und vom Erzählen her geht's gleich an die Felswand.

00:01:07: Zusammen mit Lara Neumeier aus

00:01:09: Füßen.

00:01:10: Nochmals herzlich willkommen.

00:01:11: Du bist also ein richtiges Allgäuer Original, oder?

00:01:15: Ja,

00:01:15: also ich bin auf jeden Fall in Füßen geboren und habe die ersten Monate in Weißensee gewohnt.

00:01:20: Meine Eltern kommen beide aus dem Allgäu.

00:01:22: Und wir sind dann aber nach Steingaden zogen.

00:01:24: Es ist schon an der Grenze.

00:01:26: Ist an der Grenze, aber so mit einem Bein ist es ja nicht weit rüber ins Allgäu.

00:01:30: Also Allgäuren durch und durch sozusagen.

00:01:33: Jetzt hast du ja gerade schon gesagt, also dieses Felswand klettern.

00:01:39: Jetzt nehmen wir mal vielleicht erst einmal den Oberbegriff Klettern.

00:01:42: für jemand, der, also ich war noch nie an einer Felswand, noch nie an so einer Boulderwand.

00:01:48: Klettern

00:01:49: ist ein extreme

00:01:51: Sport,

00:01:52: kann ich das schon so sagen, oder Nischen Sport vielleicht erst einmal so, aber es ist ein extremen

00:01:56: Sport.

00:01:57: Genau, Klettern ist ein Nischen-Sport auf jeden Fall.

00:02:00: Und ich denke, ob es ein Extrem-Sport ist oder nicht, kommt ein bisschen darauf an, wie man es betreibt.

00:02:05: Es gibt ja heutzutage die Bohler-Hallen, die Kletter-Hallen, das Indoor-Klettern, das würde ich jetzt nicht unter Extrem-Sport sehen.

00:02:10: Nein, nee, nee.

00:02:11: Genau.

00:02:12: Und dann gibt es das Ganze eben alles nochmal am Fels.

00:02:15: Also man kann am Fels boltern, man kann am Fels Seil-Klettern und dann gibt es eben noch ein paar extremere Sachen.

00:02:22: Da gibt es Thread-Klettern.

00:02:24: Da hat man dann keine Bohrhaken im Fels, sondern man sichert alles selbst ab mit sogenannten Camelots und Klemmkeilen.

00:02:34: Genau das ist schon ziemlich extrem.

00:02:36: und dann gibt es eben das Meerseilingen und Alpineklettern, da klettert man dann einfach extrem oder schon deutlich höhere Wände, so zwei, drei, vier, fünfhundert Meter hoch, kommt immer ganz drauf an, wo man ist.

00:02:48: Und dann gibt es eben für mich noch die Königsdisziplin, das ist das Big Boy Klettern.

00:02:53: Und da hat man dann Wände bis zu, das höchste, was ich geklettert bin, war der Kapitanen Yosemite, bis zu tausend Meter.

00:03:01: Und da verbringt man dann mehrere Nächte in der Wand.

00:03:05: Da lebt man dann quasi in der Wand.

00:03:07: Aber jetzt muss ich dich da mal fragen, bist du da gesichert, wenn du, egal welchen, also du bist schon irgendwie safe.

00:03:15: Genau, das ist das.

00:03:18: Es gibt noch das Free Solo Klettern.

00:03:20: Das ist dann ganz extrem.

00:03:21: Das ist aber was, was ich nicht mache und was ich auch in Zukunft nicht vorhab.

00:03:26: Alles, was ich mache, ist immer mit Seil, also Klettern immer mit Seil und gesichert.

00:03:32: Aber musst du diese Haken da selber in die Wände rein?

00:03:35: Oder sind da schon so, wo du dich dann noch einhängst mit den Karabinen?

00:03:40: Die Route quasi irgendwo schon da oder läuft man, sagt man da läuft, läuft an der Wand, klettert man.

00:03:47: Klettert man da so, dass man sich selbst auch die Haken erst schlagen muss?

00:03:53: Also alles, was ich bisher geklettert bin, war entweder oft gebohrt, das heißt die Bohrhaken sind schon drin oder es waren keine Bohrhaken drin, aber man hat eben diese sogenannten Keile und Camelots dabei und die legt man dann in Risse und Löcher und Die sind dann quasi wie Bohrhaken.

00:04:12: Aber selbst eine Route eingerichtet, mit Bohrhang hab ich bis jetzt noch nicht, kann man aber auch

00:04:17: machen.

00:04:17: Ja, genau.

00:04:18: Da wird wahrscheinlich irgendwann in deinen kommenden Jahren auch mal noch passieren.

00:04:23: Jetzt spulen wir noch mal ganz kurz zurück.

00:04:27: Du bist jetzt aber nicht irgendwie im Kletterseil schon auf die Welt gekommen, aber aus einer sehr, sehr, sehr sportlichen Familie.

00:04:34: Also Sport war quasi von Tag eins bei dir irgendwo schon.

00:04:38: Da, genau.

00:04:40: Ich bin nicht mit Kletterseil auf die Welt gekommen, wir waren aber, als ich drei Monate alt war, schon auf Sardinien und meine Eltern waren früher leidenschaftliche Kletterer, waren viel unterwegs und wir waren als Familie einfach im Urlaub immer in Klettergebieten.

00:04:56: eigentlich, jetzt nicht, weil wir immer nur Klettern waren, sondern einfach bei den Klettergebieten wenig los war und da konnte man auch andere schöne Dinge machen.

00:05:05: Wir waren Vierraten als Kinder.

00:05:06: Wir waren Wandern.

00:05:08: Im Winter waren wir Skifahren.

00:05:10: Und ja, ich komme aus einer sportlichen Familie.

00:05:12: Klettern war immer ein Teil, aber es war jetzt nie von Anfang an schon dieser Hauptsport, den wir gemacht haben.

00:05:18: Ja, und wann hast du da so richtig Blut geleckt und hast gesagt, boah, ich muss an diese Felswand?

00:05:26: Das war eher so, als ich elf, zwölf war.

00:05:29: Vorher

00:05:30: war das Klettern für mich immer, es hat mir Spaß gemacht, aber ich war nicht so ein ganz schüchternes und rickes Kind.

00:05:35: Und es war es nicht so, dass man sich dachte, boah, die hat schon voll Talent oder so.

00:05:39: Und dann war bei dieser Moment, da haben wir mit unserem Papa einen Kinderkletterfelsen in Fils oder am Calvary im Berg, in den Füßen.

00:05:48: Ein Geburt und da durften wir diesen Routen, also Kletterrouten, haben immer Namen.

00:05:54: und wir durften diesen Routen Namen geben und haben Pippi Langsturm, Ferry Potter gegeben.

00:05:58: und

00:05:59: das waren quasi unsere ersten eigenen Routen.

00:06:02: und da ... Hat das irgendwas in mir ausgelöst.

00:06:05: und dann habe ich total Bock aufs Klettern gekriegt.

00:06:08: Und bin dann auch durch Schulklettern in Gömihogao-Weich.

00:06:13: Da gab es Schulklettern beim Habaja und dadurch bin ich dann eigentlich das erste Mal in die Kletterhalle gekommen.

00:06:18: Und so hat es dann alles sein Lauf genommen, dann hatte ich regelmäßig einmal die Woche Klettern, dann gab es eine Leistungsgruppe, da bin ich dann rein.

00:06:25: Und dann wurde es immer mehr über die Jahre.

00:06:28: Schulklettern fand ich auch ganz interessant, gab es bei mir irgendwo nicht.

00:06:32: Aber ich bin ja auch in Kempten aufgewachsen.

00:06:33: Da gibt es nicht so viele Felswände, wie vielleicht bei dir entfüssen.

00:06:38: Und wie war das dann?

00:06:40: Irgendwie tatsächlich so richtig Blut geleckt.

00:06:44: Und dann ging es relativ schnell.

00:06:46: Wettkämpfe.

00:06:46: Welche Art von Wettkämpfe gibt es denn da im Bereich Felswandklettern?

00:06:51: Genau, also ich war im Schulklettern, ich bin in die Leistungsgruppe gekommen und dann kamen eben so erste Spaßwettkämpfe und die waren aber nicht am Fels, sondern eben in der Halle.

00:07:01: Ja, genau.

00:07:02: Und da mein erster großer Wettkampf für mich war, tatsächlich der Allgäu-Cup.

00:07:07: Früher war er noch in Oberstaufen, noch heute ist er in Kämpfen.

00:07:11: Und das hat dann alles so in den Lauf genommen.

00:07:13: Ich war auf den Spaßwettkämpfen ganz gut und bin dann mal auf die Bayerische Meisterschaft und das war auch ziemlich witzig.

00:07:20: Ich bin da hin.

00:07:22: Niemand hat mich kannt.

00:07:23: Alle haben sich fragt, wer ist Lara Neumeier.

00:07:25: Und dann bin ich direkt nach der Qualifikation auf dem ersten Platz gewesen.

00:07:29: Wow.

00:07:29: Und ich war dann natürlich saumäßig aufgeregt.

00:07:31: Und dann gab es dann Finale.

00:07:33: Das gab es bei den Spaßwettkämpfen nie.

00:07:35: Und dann im Finale habe ich mich total verklettert.

00:07:38: Bin dann trotzdem noch auf dem Podium gelandet.

00:07:41: Aber ja, das war so mein Einstieg ins Wettkampf klettern.

00:07:45: Und hab das dann so zwei Jahre knapp gemacht.

00:07:49: Und es hat auch Am Anfang war es wahnsinnig viel Spaß gemacht.

00:07:52: Ich bin aber eben auch schon immer viel am Fels klettert und schon vor zehn Jahren war das so, dass das Hallen klettern und das Fels klettern so auseinander gingen.

00:08:00: Ja, das sind

00:08:00: ja aber wirklich zwei komplett eigenständige Sportarten, muss man ja eigentlich fast schon sagen, gell?

00:08:06: Ja,

00:08:06: genau.

00:08:06: Also es wird immer unterschiedlicher.

00:08:09: das Bohl dann, da muss man... Also in der Halle, da geht's um dynamische Züge, um irgendwo rüberrennen, ein bisschen eher so in Ninja Warrior-Style.

00:08:18: Und am Paceklettern ist halt alles ein bisschen statischer, alles ein bisschen anders.

00:08:22: Und für mich war dann klar, irgendwann nach zwei Jahren, okay, ich muss mich entscheiden.

00:08:26: Entweder ich gehe voll auf Halle und trainiere voll drauf, damit ich an den Wettkämpfen mein Bestes sein kann und gut sein kann.

00:08:33: Oder ich höre auch mit den Wettkämpfen und klettern einfach für mich.

00:08:38: Das war damals nie so, dass ich mir gedacht habe, okay, ich will das professionell machen.

00:08:41: Ich war einfach so, hey, okay, Wettkämpfe sind nicht mehr meins.

00:08:45: Ich habe es einfach Bock, die Wochenenden wieder am Fels zu verbringen und nicht in der Halle.

00:08:50: Ja, ja, so voll in der Nature.

00:08:53: Ich meine, da ist es ja in der Halle, boah, das ist irgendwie immer gleiches Hallenklima, mal mehr verschwitzt, mal weniger verschwitzt.

00:08:58: Aber jetzt so an der Felswand, du hast ja jedes mal ein anderes Wetter auch.

00:09:05: Also es ist ja von den Temperaturen jedes Mal anders.

00:09:07: Das ist ja auch noch so ein Kick eventuell.

00:09:11: Ja, das finde ich jetzt so das Geile am Felsgatan.

00:09:14: Man ist halt immer draußen in der Natur und man Klettert aber schon, also es gibt schon eine Temperaturrange, wo man draußen klettern kann.

00:09:22: Wenn es

00:09:22: zu

00:09:22: kalt wird, geht es einfach nicht mehr, weil dann werden die Finger so kalt, dass man sie nicht mehr spürt.

00:09:28: Wenn Sonne scheint, dann geht es manchmal noch auch bei null Grad zum Beispiel.

00:09:32: Aber im Winter gehe ich zum Beispiel schon in die Halle zum Trainieren.

00:09:36: Das nutze ich schon.

00:09:38: Die Möglichkeit, die es da jetzt gibt, das ist wahnsinnig cool.

00:09:41: Und sonst im Sommer immer draußen am Fels, wenn es geht.

00:09:45: Und ja, man kann auch bei dreißig Grad noch klettern, aber dann schmiert es total.

00:09:49: Oder schwesslich.

00:09:51: Genau, Unterschiede vom Wetter.

00:09:53: Man muss sich da halt anpassen und das dann halt so einen Kauf nehmen.

00:09:56: Genau, wenn man aber ein großes Projekt hat, dann schaut man sich schon immer das Wetter an.

00:10:00: Und wenn es so warm ist, weiß man, okay, das ist jetzt vielleicht heute nichts.

00:10:05: Aber

00:10:05: ja.

00:10:06: Wie viele Klimtzüge kannst du machen?

00:10:09: Aus dem Stand wahrscheinlich fünftig oder so?

00:10:11: Nee, nee, nee, nee.

00:10:14: So viel nicht.

00:10:15: Es ist wirklich weich, weil ich war tatsächlich vor ein paar Wochen in Lissabon für eine Quimzug-Challenge.

00:10:20: Nein,

00:10:20: echt?

00:10:21: Ja,

00:10:21: ja.

00:10:22: Und da habe ich neunzehn am Stück gemacht.

00:10:26: Da gab es aber die Regel, dass man immer beide Hände an der Klimtzugstange lassen muss.

00:10:29: Und ich habe vor ein paar Jahren mal ein bisschen Crossfit

00:10:31: gemacht.

00:10:32: Und dann gab es da auch so eine Klimtzug-Challenge.

00:10:35: Und die habe ich dann gemacht an einem Wettkampf.

00:10:37: Und da durfte man eine Hand loslassen.

00:10:39: Dann habe ich mich immer mit einer Hand kalt und mit der anderen Hand geschüttelt und immer wieder in den Klimtzug gemacht.

00:10:44: Da gab es kein Zeitlimmer.

00:10:49: Ist das aber, der Klimmzug, ist das so eine

00:10:52: Bewegung

00:10:53: oder eine Aufwärmeübung, die gut ist?

00:10:56: oder ist das wirklich so ein Fun Facts, also mit den Klimmzügen?

00:11:00: Also Klimmzüge sind fürs Klettern schon wichtig auf jeden Fall, weil man beim Klettern ja immer diese Zugbewegung hat.

00:11:07: Und Aufwärmübung, würde ich jetzt mal sagen, es kommt darauf an, auf was für einem Level man ist.

00:11:12: Da ist schon gut, wenn man erst mal irgendwie die Schultern aufwärmt, bevor man gleich Klimmzüge macht.

00:11:17: Genau.

00:11:18: Da knackt

00:11:19: es gleich.

00:11:19: Schulterkreisen.

00:11:22: Genau, was aber beim Klettern auch wahnsinnig entscheidend ist, ist die Fingerkraft.

00:11:26: Genau, weil man sich ja an super kleinen Griffen festhalten muss zum Teil und eben auch sehr lange.

00:11:32: Also Klettern ist zwar ja schon dynamisch und man kann immer mal wieder die Hände auch oder eine Hand ausschütteln.

00:11:39: Aber ja, man ist trotzdem oft lang an der Wand, vor allem am Fels.

00:11:43: Kann sein, dass man für dreißig Meter eine halbe Stunde braucht oder so.

00:11:47: Und man hängt ja immer auf den Armen.

00:11:50: Also klar, man hat die Füße auch an der Wand.

00:11:52: Aber es ist wahnsinnig viel lasse.

00:11:53: Aber das Hauptsinn

00:11:53: ist an den Fingerkuppen oder halt an den an den Fingern.

00:11:55: Genau.

00:11:56: Das

00:11:57: ist krass.

00:11:58: Das war das Längste, wo du je an deinen Fingerkuppen dann

00:12:02: Gehängt bist?

00:12:04: Das ist auch schwierig zu sagen, weil man ja eben nicht durchgehend dran hängt.

00:12:11: Aber ja, was man vielleicht sagen kann, also ich habe halt dadurch, dass ich mehr Salängenkletter wahnsinnig lange Klettertage zum Teil.

00:12:19: und da kann schon sein, dass man mal in der Fünfe in der Früh startet, erstmal hochläuft und dann um sieben, acht zum Klettern anfängt und dann aber halt den ganzen Kletter bis es dunkel wird.

00:12:31: Und man hat dabei da ja zwischendurch immer wieder Pausen.

00:12:34: Also man kann sich schon regenerieren.

00:12:36: Auch als erste Frau hast du ja das eine oder andere

00:12:40: Zeichen

00:12:41: in der Kletterszene schon setzen können.

00:12:43: Was war das?

00:12:45: Ja, als erste Frau war jetzt zum Beispiel dieses Nee.

00:12:51: Ja, ist schon in Sachsenland.

00:12:53: Ja, genau.

00:12:53: ... in früher eine Route in Vorallberg.

00:12:58: Eine schwierige Thread-Route.

00:13:00: Da war ich die erste Frau, die das geklettert hat.

00:13:02: Und ja, so allgemein bin ich einfach wahnsinnig viel unterwegs und sehr coole Sachen schon geklettert.

00:13:09: Und ich glaub, was für mich persönlich so das Coolste war, war einfach Klettern am El Capitan, im Yosemite Valley.

00:13:17: Jetzt hast du grad schon gesagt, dieses Draußen, klettern über mehrere tage heißt ja klar ich bin da an der wand nachts an der wand ich muss ja irgendwas mampfen auch also wie guckten sowas aus.

00:13:34: das ist ja eine richtige expedition über mehrere tage wo du de facto halt irgendwo mal draußen so hängst auch in der nacht.

00:13:42: ja genau.

00:13:43: also wenn man an das Klettern, wenn er erst mal wirklich nur selber ans Klettern und das ist die Herausforderung.

00:13:51: Aber die Herausforderung ist eigentlich das, dass man eben in die Wand einsteigt und in der Wand lebt für mehrere Tage und man steigt von unten ein und weiß ja nicht, was kommt.

00:14:00: Also man klettert quasi los und ist sich eigentlich nicht sicher, kommt man oben an und für diese Reise oder für das Abenteuer muss man eben extrem viel Zeug mitnehmen.

00:14:12: Weil man ja nicht einfach abseilt und dann runter geht und wieder duscht oder so.

00:14:16: Und da ist es nicht.

00:14:18: Es ist ein Rest-Reworging-Kampf.

00:14:19: Sondern man muss Essen mitnehmen, man muss wahnsinnig viel Wasser mitnehmen.

00:14:24: Wir haben jetzt zwanzig, dreinzwanzig am Make-up für sieben bis acht Tage geplant in der Wand.

00:14:31: Und dann macht man so drei Liter pro Person pro Tag.

00:14:34: Man ist ja immer zu zweit.

00:14:36: Genau, das ist eine wichtige Info, dass man da tatsächlich nie allein oder komplett auf sich allein gestellt ist, sondern man hat immer noch jemanden.

00:14:44: Kletterpartner, Kletterpartnerin.

00:14:46: Und ja, kommt dann da halt schon mal allein nur auf zwei und vierzig Liter

00:14:50: Wasser.

00:14:51: Ja, ja.

00:14:51: Und

00:14:51: dann braucht man eben noch Essen, man braucht Klopapier, man braucht dieses Zelt, in dem man dann schläft, das sogenannte Porter Ledge, das allein wiegt schon zwölf Kilo.

00:15:02: Also man hat einfach wahnsinnig viel Zeug dabei und muss das da alles hoch schleppen und das macht eine so müde.

00:15:08: Das glaube ich.

00:15:09: Ja, das Klettern an sich selbst ist eigentlich gar nicht so das Ding, sondern so wie andere Menschen.

00:15:16: Den Ballast

00:15:17: im wahrsten Sinne des Wortes.

00:15:19: Wie hängt denn der da an einem dran?

00:15:21: Ich meine selber, was hat man an Sportkleidung an?

00:15:23: Das ist ja relativ hauteng oder so.

00:15:26: Ich sage jetzt mal wie so eine Gymnastik-Hose oder halt so diese ganz hautengen, atmungsaktiven Shirts-Hosen.

00:15:33: Genau,

00:15:34: Marino Oberteil, eine Leggans oder einfach eine ganz normale.

00:15:39: Kletterhose,

00:15:40: die

00:15:40: kann auch etwas lockerer sein.

00:15:43: Und dann nimmt man eben immer Pulli mit und eine Down-Injacke, was ganz speziell ist, dass man eben an der Cap extrem Gewicht sparen muss und dann wirklich nur das mit dem, was man anhat.

00:15:54: Wir haben damals noch ein Wechselshirt, ein paar Wechselsocken mitgenommen und zwei Wechselunterhosen.

00:16:07: Also man hat dieses ganze Gewicht jetzt erstmal nicht an sich selbst hängen, sondern man ist komplett frei, man hat den Klettergut an, man bindet sich ein und hat das Seil und klettert dann hoch.

00:16:18: und wenn man quasi nach, ja, zwanzig, dreißig Metern am nächsten Stand ist, macht man sich da fest und zieht den Hallback dann an einem bestimmten Seil hinterher.

00:16:31: und Genau, man macht das halt allein.

00:16:34: Der Heubweg, der wiegt so, achtzig bis hundert Kilo.

00:16:36: Der ist ja fast doppelt so wie du.

00:16:38: Ja.

00:16:39: Und

00:16:41: dann bin ich dann fünfzig, achtundfünfzig Kilo und muss eben diesen Heubweg hochziehen und das macht einfach so extrem müde.

00:16:48: Das glaube ich.

00:16:48: Genau, man macht da viel aus den Beinen zum Glück, dass man halt sich Kraft für die Arme spart, aber es macht einen trotz zu müde.

00:16:54: Ja,

00:16:55: dann ist er quasi an dieser ersten Station, hast diesen Beck mit hochgezogen und dann hängt der erst mal da und dann geht es für dich quasi in die nächste Etappe und dann wieder Päuschen im Anführungszeichen.

00:17:09: Dieses Teil nachziehen.

00:17:10: Genau,

00:17:11: ja, also die während man den Holbeck hochzieht, kommt auch der Kletterpartner danach

00:17:16: und

00:17:16: dann geht man da so step-for-step, arbeitet man sich nach oben.

00:17:21: Und er hat ja seinen eigenen Rucksack auch noch mit dabei?

00:17:24: Ne,

00:17:24: man hat schon, also man packt zusammen alles.

00:17:27: Das sind so Riesensäcke.

00:17:30: Wir hatten damals zwei richtig große Heubäcks und da schmeißt man einfach alles rein.

00:17:34: Ich versuch ein bisschen Ordnung zum halten.

00:17:36: Meistens endet's dann zu mein Chaos.

00:17:39: Und dann eben noch das Zelt.

00:17:41: Genau, das kommt.

00:17:45: Von einem großen Projekt startet man schon in der Früh im Morgengrauen in die Wand, also je nachdem in welchem Land das natürlich ist, wie die Tagestemperaturen und so weiter das sind.

00:17:56: Und wie lange geht dann so eine Tages-Tappe?

00:17:59: Ja genau, also es kommt ein bisschen darauf an, wo man ist, aber mehr Cap.

00:18:02: zum Beispiel sind wir schon Ganz früh um fünf gestartet, weil der Ekeb in der Sonne ist den ganzen Tag und sobald die Sonne kommt, wird es einfach extrem heiß.

00:18:11: Ja, ja.

00:18:12: Und beim Klettern ist es zwar angenehm, wenn es warm ist, damit die Finger nicht abfrieren, aber sehr zu heiß ist ihm auch nicht gut, weil man ja sechs Tage in der Wand verbringt.

00:18:21: und wenn man dann gleich einen Sonnenstich hat und extrem durstig wird und so weiter, dann ja.

00:18:27: Es ist schon ein Problem, weil man ja auch nur begrenzt Wasser dabei hat.

00:18:31: Ja,

00:18:31: das stimmt.

00:18:32: Das kann man definitiv nicht nachfüllen.

00:18:34: Und dann ist so eine Tagesetappe dabei und dann wird da erst mal so das Haus aufgerichtet.

00:18:39: Genau.

00:18:39: Also es ist zählt aufgemacht und schlafen hängend schlafend.

00:18:44: Also es ist wie eine Hängematte.

00:18:47: Ja, genau.

00:18:48: Also, man klettert eigentlich den ganzen Tag durch, kommt dann am Abend da an, ist schon dunkel und man hängt ja an diesem Stand und muss dann da im Hängen ein Zelt aufbauen.

00:18:59: Dieses Portalage ist eigentlich eine super coole Erfindung.

00:19:04: Man baut es dann auf, das fuchst oft ziemlich beim Aufbau.

00:19:07: Also, nach zwanzig Minuten, nach halbem Stunde ist das meistens ready.

00:19:11: Zulag?

00:19:13: Also nicht so wie diese Springsteigmuscheln da, so die sich... okay, das wäre

00:19:17: eine gute Erfindung.

00:19:20: Genau, nee.

00:19:21: Und dann setzt man sich da rein und wenn man sich jetzt nicht vorstellt, dass es da achthundert Meter runtergeht, wird man sich eigentlich auch gar nicht senken.

00:19:28: Dann fühlt sich ein bisschen so an wie ein Zelt auf dem Campingplatz.

00:19:31: Okay, und doch ein bisschen anders, weil, du hast ja vor allem schon gesagt, komplettes Essen, Gedöns, Getränke, Gedöns dabei und Klopapier.

00:19:40: Auch das ist eine Nummer, die am Berg

00:19:43: passiert.

00:19:43: Genau, ja.

00:19:44: Also am Make-up muss man dadurch, dass da so viele Leute auch technisch hoch klettern und einfach viel Verkehr ist quasi und das Nationalpark ist, man kann also klein, kann man in die Luft machen und alles andere muss in die Tüte und das muss man dann auch sechs Tage damit hoch schleppen.

00:20:02: Das ist Free-Climbing, was du machst.

00:20:04: Vielleicht plus nochmals diesen Mini-Unterschied, weil Haken nutzen ja, aber doch nicht.

00:20:11: Genau, also wir machen oder was ich mache, ist quasi freiklettern, das heißt nicht.

00:20:17: nutzt zur Fortbewegung nur den Fels zum Hochklettern und wir nutzen zwar die Bohrhaken, die es gibt oder wir setzen Camelots, aber wir belasten die nicht.

00:20:30: Und dann gibt es eben das technisch Klettern, das ist in Amerika ganz populär, das gibt es bei uns in Europa eigentlich nicht so.

00:20:36: Und da nutzt man quasi die Bohrhaken oder die Camelots in dem Sinn, dass man was einhängt und sich an diesen Bohrhaken oder an dem Camelot hochzieht und sich dann so technisch eben, ja, da hoch arbeitet.

00:20:50: Ja,

00:20:51: fort bewegt quasi.

00:20:53: Jetzt bist du ja Profi-Sportlerin oder Profi-Klettererin.

00:20:58: Wie geil ist das denn?

00:20:59: Das habe ich ja irgendwo, bekommt man das gar nicht so mit, dass es da auch Profi-Sportler in dieser Sportart gibt.

00:21:07: Ist das ein Glücksgriff?

00:21:08: Also ist es nicht an der Tagesordnung, glaube ich, oder?

00:21:11: Ne, also es ist auf jeden Fall sehr cool, dass ich das so machen kann und es ist keine Selbstverständlichkeit, weil Klettern eben nicht ein Sport ist.

00:21:19: Und ich eben ja auch nicht, also Wettkampfkletterer können zum Beispiel zur Bundeswehr, zur Polizei, und haben dadurch eine super Förderung, aber wenn du am Fels kletternst, dann bist du oft dich allein gestellt.

00:21:31: Total.

00:21:31: Genau, dann musst du dir dein Leben quasi durch Sponsoren finanzieren.

00:21:36: Und ja, da muss man Denke ich schon auch ein bisschen Glück haben, dass man da so gute Sponsoren findet, die einen unterstützen, sodass man davon leben kann.

00:21:44: Ja, total.

00:21:46: Also dann bist du schon ein Talent, ein Klettertalent, denn die Sponsoren sind natürlich auf dich aufmerksam geworden und du hast eigentlich schon seit Jahren irgendwelche Sponsorings.

00:21:56: Hast natürlich auch was scheizklarmt, BWL, dass man im Falle eines Falles auch irgendwo anders unterkommen könnte.

00:22:03: Aber Mega!

00:22:05: Und jetzt, im Jahr ist es auch ein bisschen verändert.

00:22:10: Genau.

00:22:12: Ich kann da echt schon Glück sprechen.

00:22:14: Das ging damals nach der Schule, habe ich gesagt, ich tue einfach ein Jahr nur Klettern und das ist ja gar nicht die Absicht, das Bruch auf den Nel zu machen.

00:22:21: Und dann haben mich eben die ersten Sponsoren, wo ich dann Verträge unterschrieben habe, wo die ersten Autosportfirmen angeschrieben, ob ich nicht Lust hätte, mal vorbeizukommen.

00:22:30: Und dann hatte ich erste Sponsoren, dann hat mich trotzdem entschieden, dass ich was studieren will und das Teil des machen kann, dass ich ein zweites Stand habe.

00:22:37: Ja, nee, du musst man heutzutage definitiv.

00:22:40: Genau, weil mir war immer klar, vom Klettern zu leben ist extrem schwierig geworden.

00:22:44: Dann habe ich BWL im Bachelor studiert und Marketing im Master fünf Jahre.

00:22:49: Habe ich studiert und Klettern eher so nebenberuflich gemacht.

00:22:52: und dann habe ich Ja, und dann habe ich nach dem Studium gesagt, ich nehme mir jetzt noch mal ein Jahr und schaue mal, wo es hingeht, arbeiten oder klettern.

00:23:01: Und jetzt seit dem Jahrzehnten kann ich davon leben.

00:23:07: Ein alter Sponsor Petzl ist mir geblieben und eben neue Sponsoren dazugewonnen.

00:23:11: Agterix,

00:23:12: die richtige Backspotmarke.

00:23:14: Und ja, jetzt eben im Herbst auch noch Red Bull dazu als Partner.

00:23:19: Ja, da kann ich.

00:23:20: Ja, ist sehr, sehr cool.

00:23:22: Wie schaut es dann natürlich mit den Sponsoren im Rücken oder mit deinem Gehalt?

00:23:28: Du hast ja dann quasi auch ein monatliches Einkommen, so wie jeder andere, der jetzt ganz normal zum Arbeiten geht auch.

00:23:35: Was sind so die Ziele in diesem Jahr?

00:23:37: Sportlich?

00:23:38: Da hast du wahrscheinlich schon den einen oder anderen Plan oder das Projekt schon irgendwo auf dem Tisch liegen?

00:23:44: Ja, genau.

00:23:44: Also ich habe auf jeden Fall Ziele, ein Ziel, das habe ich quasi noch aus dem Jahr zweifach mitgenommen.

00:23:49: Das ist eine Tour am Wilden Kaiser, eine schwere Mehrseillänge vom Stefan Glovertsch, die ich gerne im Frühjahr klettern würde

00:23:57: und

00:23:57: habe natürlich auch noch andere vorhaben.

00:24:00: Für ... für

00:24:01: ... für ... für ... für ... für ... für ... für ... für ... für ... für ... für ... für ... für ... für ... für ... für ... für ... für ... für ... für ... für

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00:24:22: ... für ... für ... für ... für ... für ... für ... für ... für ... für ... für ... für ... für ... für ... für ... für ... für ... für ... für ... für ... für ... für ... für ... Ein Ziel zu haben ist mega wichtig, aber am Ende ist nicht der Erfolg des, was allein zählt, sondern eigentlich der Weg dahin, weil man eben ja aus sich herauswachsen muss, Grenzen überschreiten muss, mal aus der Komfortzone heraus muss und dann ja in diesem Prozess im Wahnsinnig viel über sich selbst lernt, sich selbst besser kennen lernt und das eigentlich so die Erfahrungen sind, wo raus man wächst und sich weiterentwickelt.

00:24:56: Und deswegen ist für mich das ganz wichtig, dass man da bei der ganzen Sache Spaß hat und diesen ganzen Weg mitmacht und nicht nur auf den Erfolg oder auf den Sieg dann am Ende abzielt.

00:25:11: Was darf man dir wünschen?

00:25:12: Was darf man dir mit auf den Weg geben?

00:25:14: Gibt es da so ein Kletter?

00:25:16: Teu, teu, teu.

00:25:18: Gibt es da irgendwie so eine Formulierung, was du speziell für die Kletterer unter euch ist?

00:25:23: Oder einfach ja, teu, teu, teu, dass es klappt, dass du jeweils wieder heil auch nach unten kommst.

00:25:29: Und vielen Dank für den Einblick in deine Kletterwelt.

00:25:32: Danke euch.

00:25:33: Der Allgäu-Hit Kaffee-Clutch wurde präsentiert von den Lebensgestaltern.

00:25:38: Stundenweise Zuwendung stattgetakteter Hektik.

00:25:42: Dein ambulanter Dienst im Allgäu für Pflege und Betreuung mit Zeit.

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