Vom Acker auf den Teller – Solidarische Landwirtschaft hautnah mit Klaus Kaiser
Shownotes
n dieser Podcast-Folge sprechen wir mit Klaus Kaiser, Mitinitiator der Solidarischen Landwirtschaft in Greggenhofen bei Rettenberg. Er erzählt, wie durch gemeinschaftliches Engagement, regionale Produktion und echte Wertschätzung für Lebensmittel eine nachhaltige Alternative zur industriellen Landwirtschaft entsteht.
Klaus gibt spannende Einblicke in den Alltag auf dem Hof, erklärt, was hinter dem Prinzip der „Solawi“ steckt – und warum es nicht nur um Gemüse geht, sondern um eine ganze Lebenshaltung.
Gemeinsam sprechen wir über regionale Ernährung, Verantwortung und die Freude, wenn Menschen und Natur wieder in Beziehung treten.
🎧 Jetzt reinhören und entdecken, wie gelebte Nachhaltigkeit im Allgäu funktioniert – bodenständig, gemeinschaftlich und zukunftsweisend.
Transkript anzeigen
00:00:01: Gesund
00:00:02: und vital durch den Tag.
00:00:03: Der Allgäu-Hit-Kaffee-Clutch wird präsentiert von der Bahnhofapotheke Kempten und Purnatur, weil Gesundheit bei der
00:00:11: Ernährung beginnt.
00:00:13: Heute geht es um eine Motto.
00:00:15: So nenne ich das jetzt einfach mal gemeinsam ackern, gemeinsam ernten.
00:00:20: Zu Gast heute Klaus Kaiser.
00:00:23: Von wo sind Sie?
00:00:24: Dass das Motto ein bisschen zu Ihrer Person passt.
00:00:27: Schön, dass Sie da sind.
00:00:28: Herzlich willkommen.
00:00:29: Ja, danke.
00:00:30: Einen schönen guten Morgen.
00:00:31: Ich komme aus Tundhofen.
00:00:32: Ja?
00:00:33: Und ganz dort in der Nähe, da bauen wir unsere Gemüse an.
00:00:36: Was da alles angebaut wird und unter welcher... Ja, ich nenn's jetzt einfach mal und welcher Dach.
00:00:40: Herrschaft in Anführungszeichen das Klärmer.
00:00:43: Wir sagen nur so viel Solavi, oder?
00:00:46: Ich habe das jetzt vorhin einfach mal so als Motto drüber gesetzt.
00:00:49: Gemeinsam Akan, gemeinsam Ernten, Akan jetzt im Sinne von gemeinsam auch mitarbeiten.
00:00:55: Was ist denn das, die solidarische Landwirtschaft, die Solavi, wie es auch...
00:01:01: Genau, wir kürzen das immer gerne ab mit Solavi, weil zum Begriff solidarische Landwirtschaft einfach zu lange dauert, bis er ausgesprochen
00:01:08: ist.
00:01:08: Oder hört sich ein bisschen sperriger, ne?
00:01:10: Ja,
00:01:11: aber wir benutzen diesen Namen trotzdem, weil es sich inzwischen etabliert hat.
00:01:16: Es gibt ganz viele solcher Solavis in Deutschland mittlerweile.
00:01:21: Das sind alles Vereine oder auch von Landwirten, Betriebene, Gemeinschaften.
00:01:27: die das Ziel haben, eben die Mitglieder mit Gemüsesalat und allem, was Gott wachsen lässt, zu versorgen.
00:01:35: Wobei da ein Eigenanteil, also ich muss, ja das Schlüssel und Zimmel ja gleich auf, welche Konstellationen das es da gibt, wenn ich bei einer Solavi bin, wie aktiv ich auch körperlich mit arbeiten muss.
00:01:47: Aber erst mal... Ja,
00:01:48: fangen wir vielleicht erst mal an, also oder bleiben wir mal ganz einfach bei Greggenhofen.
00:01:52: Ja, genau, im schönen All.
00:01:53: Ich bin
00:01:53: jetzt in Greggenhofen, Zeit einen guten Jahr
00:01:56: dabei
00:01:57: und habe so ein bisschen mitbekommen diesen Übergang.
00:02:00: Also Sigweckenhofen wurde gegründet von einer Landwirtin, die sagt, ihr könnt bei mir einsteigen, ihr könnt Ernteanteile erwerben gegen eine monatliche Gebühr und dann bauen wir auf der Fläche an und teilen die Ernte untereinander auf.
00:02:16: Und diese Landwirtin wollte sich zurückziehen und sagen, ihr möcht wieder was anderes
00:02:23: machen.
00:02:24: und hat aber angeboten, alles in einen Verein zu überführen.
00:02:30: Und das ist jetzt passiert.
00:02:31: Wir sind also seit, glaube ich, ja, ein gutes Jahr jetzt Verein und organisieren das alles selber.
00:02:39: Wir haben von der Landwirtin die Fläche gepachtet, wir übernehmen die Gerätschaften dort und ja, wir bauen mit der Hilfe von angestellten Gärtnerinnen dort Gemüse, Salat und inzwischen auch noch Obst an.
00:02:56: Also wir haben einige junge Bäume dort gepflanzt, vor ein paar Jahren, die in den nächsten Jahren uns sicherlich noch viel Freude machen werden.
00:03:02: Mit dem ein oder anderen Vitamin C versorgen.
00:03:05: wir werden.
00:03:06: Sie haben es schon ein bisschen angesprochen, Tomatensalat, Kattensalat.
00:03:10: Troffel wahrscheinlich, Karotten, alles, was so ein Gemüsebeet irgendwie hergeben kann.
00:03:17: Zu wie viel seid ihr in dem Verein?
00:03:20: Ja,
00:03:20: also Mitgliedermäßig sind wir, glaube ich, so zwischen siebzehn und achtzig Personen.
00:03:25: Und diese Personen nehmen eben so unterschiedliche Ernteanteile.
00:03:31: Also unser Maß für die Menge, die man an der Ernte bekommt, ist ein Ernteanteil.
00:03:37: Und ein Ernteanteil ist eigentlich so bemessen, dass er zwei Personen, vielleicht auch eine kleine Familie, eigentlich mit dem notwendigen Gemüsesalat so versorgen kann.
00:03:49: Deshalb, ich lebe allein, ich habe einen halben Ernteanteil und bin dieses Jahr Wirklich gut satt geworden im Sommer.
00:03:56: Haben Sie denn den Lieblingsgewüse, Herr Kaiser?
00:03:59: Oh, nee, fast alle.
00:04:01: Ich auch, ich bin Querwett-Gemüse.
00:04:03: Aber ich habe schon so ein Febel für Tobaten, muss ich jetzt ehrlich sagen.
00:04:07: Ich finde diese Breite des Angebots einfach fantastisch.
00:04:12: Ja, wenn ich jetzt an letzte Woche noch denke, ich hatte noch eine Aubergine.
00:04:15: Wow!
00:04:17: Ich habe den Wirsing gehabt.
00:04:18: Lecker!
00:04:19: Was war denn eigentlich dabei?
00:04:21: Ich merke, die Gedanken sind weg.
00:04:24: Aber Kohlrabi gab es auch schon.
00:04:27: Rote und gelbe Bete hatte ich, Sellerie war dabei.
00:04:31: Die restlichen Tomaten, die jetzt allerdings nicht mehr ganz reif geworden sind, die liegen zu Hause zum Nachreifen.
00:04:37: Ja, die kann man ja gut und gerne nachreifen, ein bisschen in einem warmen Bereich.
00:04:42: Da gibt es doch, heißt doch immer Tomaten, soll man neben Äpfel liegen zum Nachreifen?
00:04:47: Das
00:04:47: habe ich auch schon gehört, aber ich habe es nur nicht ausprobiert.
00:04:49: Ich habe es auch noch nicht ausprobiert.
00:04:52: Was war so Ihr Antrieb, dass Sie gesagt haben, Sie steigen bei dieser Solavi mit ein?
00:04:57: Ja, also ich habe vor vielen Jahren oder vor sechs, sieben Jahren von diesem Konzept das erste Mal gehört.
00:05:03: Das war noch an meinem vorherigen Wohnort.
00:05:06: Da war ein Zeitungsartikel, wir gründen eine Solavi.
00:05:10: Und ich fand dieses Konzept wirklich genial.
00:05:13: eigentlich, dass man sagt, wir wollen für uns selber vor Ort unser Essen produzieren.
00:05:19: Wir wollen ein Stück was dagegen setzen, dass Essen industriell gefertigt wird, dass Essen durch ganz Europa reißt oder sogar noch von anderen Kontinenten zu uns kommt.
00:05:31: Natürlich, wir schaffen das hier nicht Bananen anzubauen.
00:05:34: Nein,
00:05:34: da war das Klima nicht.
00:05:36: Wir können trotzdem ein bisschen was machen.
00:05:38: Wir können einfach hier sagen, wir sind vor Ort, was wächst hier bei uns und lasst uns das produzieren und frisch genießen.
00:05:46: Das ist der eine Punkt und das andere ist natürlich dieses Solidaritätsprinzip, dass miteinander gewirtschaftet wird und es nach den Kräften des Einzelnen geht und nach dem, was er einbringen möchte.
00:05:58: Niemand muss bei uns arbeiten und ja, jeder ist willkommen und wir ergänzen uns einfach, weil der eine arbeitet auch gerne mit, unterstützt die Gärtnerinnen.
00:06:10: Der andere sagt, ich habe so viel im Beruf zu tun, ich hole mir nur einmal die Woche meine Ernte ab, aber er zahlt seinen Beitrag und dadurch können wir unsere Gärtnerinnen bezahlen.
00:06:18: Ich habe das gerade zu Ihnen so oft ja schon gesagt, Herr Kaiser.
00:06:21: Das ist ein bisschen das Prinzip von Solavi back to the roots, wie es vielleicht zu Großelternszeiten war, das anzubauen, was eben in dieser Region zu diesem Zeitpunkt
00:06:33: wächst.
00:06:34: Genau, so ist es.
00:06:35: Wir wollen einfach so wie Man sich aus dem eigenen Garten versorgen könnte, das machen wir in Gemeinschaft.
00:06:42: Wir haben eben unserem großen Garten da draußen.
00:06:45: Und wir haben den Vorteil, dass er auch noch professionell bewirtschaftet wird.
00:06:49: Weil unsere angestellten Gärtnerinnen haben einfach einen Fachkunde und helfen uns, dass das, was wir anbauen, auch meistens gelingt.
00:06:58: Ja, nicht so tatsächlich wie in Eigenregime.
00:07:00: Mein Beispiel werfe ich da jetzt auch in den Ring, meine Patometis, die ich daheim habe.
00:07:06: Bin mir da selber allein überlassen und letztes Jahr sind aber ganz, ganz viele Pflanzen eingegangen.
00:07:11: Heuer ist mehrheitlich sind sie durchgekommen.
00:07:14: Also das ist auch der Unterschied zum eigenen Garteln vor der Haustür in Gemeinschaft und das unter professioneller Anleitung.
00:07:22: Denn das Ziel ist ja schon, das, was ich gesät habe oder gepflanzt habe, dann später auch essen zu können.
00:07:29: Genau.
00:07:30: Und vielleicht beim eigenen Garteln auch noch der Unterschied.
00:07:33: Ich kann mitgarteln.
00:07:35: Aber ich muss nicht.
00:07:37: Und was für mich eigentlich auch immer sehr interessant war, ich hatte auch mal Haus mit Garten und habe auch ein bisschen Gemüse angebaut.
00:07:43: Aber es war immer das Thema, jetzt fahren wir im Sommer zwei oder drei Wochen weg.
00:07:48: Wer versorgt den Garten in der Zeit?
00:07:50: Ja, das ist richtig.
00:07:51: Und
00:07:51: auch das ist bei uns super gelöst,
00:07:53: weil
00:07:54: wir haben angestellte Gärtnerinnen, die machen den Großteil der Arbeit.
00:07:58: Und die schreien natürlich auch um Hilfe und sagen, oh, jetzt ist zu viel, das Unkraut wächst, wir schaffen das nicht, kommt und helft.
00:08:04: Und dann treffen wir uns zum Helfen oder wir kommen einfach mal so zwischendurch und gehen hin.
00:08:10: Oder ich mache es gerne, wenn ich meine Ernte abhole, dass ich mir vielleicht ein, zwei Stunden extra Zeit nehme und dann auch mal den Einbet für Ordnung sorge.
00:08:19: Jeder, der eine Gurke mal aus dem eigenen Garten gegessen hat oder so ein Tomätchen und dann irgendwie natürlich im Winter überwachsen.
00:08:26: Hier war uns auch keine Tomaten.
00:08:28: Aber jeder, der diesen Urgeschmack, sag ich mal, irgendwie schon so auf der Zunge oder vom Kopf her abrufen kann, der möchte eigentlich gar nichts mehr essen.
00:08:38: Ist schon auch die Intention biologisch, ohne Chemie, so wie der Boden ist natürlich düngen, natürlich düngen.
00:08:48: Ihr tut es natürlich was hin, weil Ungeziefer oder irgendein Pilzbefeil kann es ja immer mal geben, auch bei den Gemüsesachen, aber so ursprünglich wie es nur geht.
00:08:58: Ganz genau, wir wollen ganz einsummen.
00:09:01: Naturnahenanbau, wie eben wöchlich ist.
00:09:04: Und da vertraue ich auch sehr auf die Kompetenz unserer Gärtnerinnen, dass die uns da helfen.
00:09:09: Und was ich so beobachte ist, es klingt auch, sagen wir mal, die eine oder andere Frucht ist jetzt vielleicht nicht so super schön, aber sie ist auch gelungen.
00:09:19: Andere Sachen sind da in einer Qualität, wo ich sage, das kann mit Klasse A aus dem Supermarkt wirklich konkurrieren,
00:09:27: aber
00:09:28: es ist eben noch das Stück frischer.
00:09:30: Es ist nicht durch die Lande gereist.
00:09:32: Ich kann es abholen und wenn ich will, am selben Tag noch vorkochen.
00:09:36: Ich kann eigentlich die Karotte aus dem Boden ziehen, bisschen die Erne abwischen und reinbeißen in eine ja frisch geerntete Karotte.
00:09:45: So kennt man das ja vielleicht auch noch von den Großeltern, deinem Gemüsegarten.
00:09:49: Zack, ne Karotte gezogen oder Kohlreble mal und gleich vor Ort schon
00:09:55: verschlungen.
00:09:56: Gemüse aka als Gemeinschaftsprojektor Kaisers, wo könnte ich es jetzt
00:10:00: vielleicht
00:10:00: ein bisschen umformulieren?
00:10:02: Ja,
00:10:02: das ist eine wirklich gute Beschreibung, weil es ist ein Gemeinschaftsprojekt, die die Menschen, die kann Anteil nehmen, den ist es einfach was wert, gesundes Gemüse vor Ort zu produzieren, den Boden nicht zu überlasten, sondern Die Natur so zu nutzen, wie sie uns zur Verfügung steht.
00:10:20: Sie haben uns da schon ein bisschen mitgenommen auf den Acker.
00:10:22: Zumindest mit unserem dritten Auge.
00:10:24: Wie essen Sie denn dann Ihre Gemüseanteile?
00:10:29: Wird das gleich frisch?
00:10:31: Ja, so Karotten gleich so aufgegessen, wird das eingemacht, wird das eingefroren.
00:10:35: Wie verarbeiten Sie denn Ihre Ernte?
00:10:38: Ja, also unser Ernte.
00:10:39: Tag ist immer der Mittwoch.
00:10:41: Mittwoch ab dem frühen Nachmittag steht an die Ernte bereit im Abholraum und dann kommen die Mitglieder auf die Fläche und ich auch eben.
00:10:48: Meistens kann ich mit dem Fahrrad fahren, wenn es besser schön ist und holen mir meine Ernte ab.
00:10:53: und dann sehe ich erst mal, was habe ich denn.
00:10:55: Ja gut, ich habe schon vorher per E-Mail erfahren, was es denn ungefähr gibt.
00:11:00: Aber dann sehe ich es richtig, dann habe ich meine Packtaschen voll, fahre damit nach Hause.
00:11:05: und sortiere aus und plane, wie ich das in der Woche bis zum nächsten Mittwoch essen will.
00:11:11: Also viel vitaminreiche Kost für sie, mal so Aufläufe, mit Kartoffeln kann ich Aufläufe machen, ich kann irgendwie so eine Bauernpfanne machen, mit Ei, mit Speck, mit anderen Gemüse.
00:11:24: Ich muss das jetzt hier schon gleich so ein bisschen verarbeiten.
00:11:27: Da kann man sich ganz viel überlegen.
00:11:30: Ich gehe oft ins Internet und google dann mehr Rezepte, je nachdem was gerade da ist.
00:11:36: Aber das Einfachste ist natürlich, wenn man viele verschiedene Kleinigkeiten hat, dann in die Pfanne schnippeln, anbraten, eine Gemüsepfanne ist immer herrlich, frischen Salat hat man meistens auch dazu im Ernteanteil.
00:11:51: Das kann man einfach so genießen.
00:11:53: Man muss dann, ich mache dann meinen Plan, was wird die Woche, wann ungefähr gegessen?
00:11:57: und Im Kühlschrank halten sich die Sachen ja auch ein paar Tage.
00:12:00: Super, die halten sich super.
00:12:02: Jetzt haben Sie gerade schon gesagt, Sie können da hin radeln.
00:12:05: Das ist dieses Feld oder diese fünftausend Quadratmeter.
00:12:08: Das sind natürlich ein bisschen nicht im Ortskern.
00:12:12: Und Abholhalle.
00:12:13: Diese Stichwort habe ich auch gerade gehört.
00:12:14: Wie ist denn da so dieses Funktionelle, wenn ich dann sage, am Mittwoch Nachmittag ist Erntetag oder Ernte-Apoltag?
00:12:23: Wie ist denn das da so ein bisschen aufgebaut?
00:12:25: Ist da immer so eine feste Hütte, wer verteilt?
00:12:28: Die Gärtnerinnen, die da sind, werden wahrscheinlich Körbel richten oder Kien richten.
00:12:34: Unsere Gärtnerinnen haben dann bis die Abholung beginnt, alles schon geerntet, ihr ausgewogen und in unserem Abholraum dann aufgestellt und auf die Tafel geschrieben, was es denn gibt.
00:12:47: Also manche Sachen gehen
00:12:48: nach Stück,
00:12:50: eben eine O-Baschine zum Beispiel.
00:12:53: Und manche Sachen gehen eben nach Gewicht.
00:12:55: Dann steht da eben zum Beispiel, ich kriege jetzt vierhundert Gramm Bohnen und dann steht irgendwo die Kiste mit den Bohnen und ich wiege mir die vierhundert Gramm ab.
00:13:03: Ach so, Sie müssen sich das schon noch ein bisschen selber so, also nicht so ganz fertig zum Abholen.
00:13:09: Man muss schon noch ein bisschen was selber sehen.
00:13:11: Ja, man braucht etwas Zeit beim Abholen, weil es kann natürlich auch sein, dass dann gerade noch Mitglieder da sind oder mehrere Mitglieder da sind und dann wird es etwas voll im Abholraum, dann muss man einfach auch mal draußen warten und die Zeit nutzen, um Rezepte auszutauschen oder sich ein bisschen zu unterhalten?
00:13:27: Ja, weiß, weiß, weiß, weiß.
00:13:28: Jetzt gerade die Mitglieder, das ist ein gutes Stichwort.
00:13:31: Es ist so, um die fünfundvierzig sind es aktuell bei den Mitgliedern.
00:13:35: Ja, Mitglieder sind wir, ich denke so zwischen siebzehn und achtzig, ja, weil wir haben viele Mitglieder, die nur einen halben Ernteanteil nehmen.
00:13:42: Was man auch versteht, das kann im Sommer ganz schön viel sein.
00:13:44: Ja, die Sachen werden allesamt auf einmal reif.
00:13:47: Genau.
00:13:47: Eine Frucht, eine Vorteil.
00:13:49: Im Sommer eben mehr als im Winter.
00:13:50: Richtig.
00:13:52: Wie ist das so bei Ihnen, Männlein, Weiblein, älter, jünger von der Generation, Family, Singlehaushalte?
00:13:59: Kann man das irgendwie so über den Daumen überhaupt peilen oder ist das dermaßen bunt gemischt?
00:14:03: Ich
00:14:03: würde sagen, über den Daumen gepeilt, total gemischt.
00:14:06: Ich kenne natürlich die Mitglieder ein bisschen vom Abholen, aber mehr noch von unseren Helfer Samstagen.
00:14:15: Weil wir machen das öfter so, dass wir sagen, also dieses spezielle Samstag, da ist mal das Angebot mit zu helfen.
00:14:22: Und ich werde mal sagen, für zwanzig, fünfundzwanzig Prozent der Mitglieder kommen dann zum Mithelfen.
00:14:28: Und die kenne ich eben.
00:14:29: Ja, das stimmt.
00:14:30: Man kennt mich nicht gerne.
00:14:31: Weil das sind auch immer wieder die gleichen.
00:14:32: Ja, ja, das ist richtig.
00:14:34: Es ist ein Verein entsprechend auch strukturiert.
00:14:36: oder es gibt wahrscheinlich auch mal ein Vereinsabend oder diese Helfer Samstag.
00:14:42: Wenn ich jetzt sage, das ist schon eine Kuhle.
00:14:44: coole Idee.
00:14:46: Eigentlich ernähre ich mich äußerst, wie soll ich sagen hochwertig mit Kost aus dem fast eigenen Garten.
00:14:54: Hab gar keinen eigenen Garten.
00:14:55: Hab auch nie die Möglichkeit irgendwie so eine Gartenlaube Parzelle zu bekommen, weil da könnte ich mir ein Hochbeet reinstehen.
00:15:02: Ist eigentlich eine gute Alternative für jemand auch, der meinetwegen in einem Mehrparteienhaus wohnt und gerne ein bisschen grün hätte oder gute Lebensmittel von vor der Haustür.
00:15:14: Ich denke mal, das ist hauptsächlich auch die Motivation von den, was ich so mitkriege, von den meisten Mitgliedern.
00:15:19: Die Motivation einfach, ich will Gemüse haben wie aus dem eigenen Garten.
00:15:24: Und manche haben noch einen eigenen Garten, aber das ist dann einfach eine schöne grüne Wiese.
00:15:28: Das ist dann auch schön.
00:15:29: Viele haben keinen eigenen Garten, wie Sie sagen.
00:15:32: Wenn ich im Mehrparteienhaus wohne, dann habe ich keinen Garten.
00:15:35: Aber ich habe hier die Möglichkeit, Gemüse wie aus dem eigenen Garten zu haben, mit all den Herausforderungen auch ist dann zu essen, wenn es reif ist.
00:15:44: Jetzt die Frage aller Fragen.
00:15:45: Was kostet das Ganze?
00:15:47: Wie ist denn da so die Verteilung?
00:15:49: Wie solidarisch ist es denn dann tatsächlich bei den Solavis?
00:15:54: Ja, wir versuchen das tatsächlich auch total solidarisch zu regeln.
00:16:00: Also das fängt schon mal zum einen da an, dass wir mit den Gärtnerinnen absprechen, dass die an fairen Lohn bekommen.
00:16:06: Genau, weil die müssen ja auch
00:16:07: bezahlt werden.
00:16:08: Der Gärtnerinnenlohn ist unser größter Anteil.
00:16:11: Natürlich müssen wir Saatgut kaufen, Pflanzen kaufen, wir müssen Pacht für die Fläche bezahlen und alles das.
00:16:17: Und alles das summieren wir einfach auf und teilen es dann durch die Anzahl der Ernteteile.
00:16:23: Und dann kommt ein Durchschnittswert raus.
00:16:25: Und dann kommt raus, im Durchschnitt kostet ein Ernteanteil im Monat, vielleicht hundertfünfunddreißig Euro.
00:16:32: So.
00:16:33: Das heißt aber nicht, dass jedes Mitglied, das einen Ernteanteil nimmt, unter fünf und dreißig Euro bezahlt.
00:16:38: Sondern wir treffen uns dann zur Bieterrunde vor dem Erntejahr und geben unsere Gebote ab.
00:16:45: Wie viel wir denn jeder für seinen Ernteanteil bezahlen möchte?
00:16:50: Und jeder gibt drei Gebote ab.
00:16:53: Orientiert sich natürlich an dem Durchschnittswirt irgendwie, aber er kann drunter bleiben, er kann drüber gehen.
00:16:59: Er gibt einfach drei Gebote ab.
00:17:01: Dann summieren wir die ersten.
00:17:03: Gebote auf.
00:17:04: Und wenn das reicht, ist in Ordnung.
00:17:06: Wenn nicht, summieren wir die zweiten Gebote auf und hoffen, dass es dann reicht.
00:17:10: Was auch ganz wichtig ist, dass man das vielleicht auch noch mal so hervorhebt.
00:17:14: Ich habe meinen Ernteanteil, den ich mir vom Preis ja selber mal auferlegt habe oder aufgeschrieben habe.
00:17:23: Und ich muss aber keine Gegenleistung in Form von körperlichen Arbeit dazu tun.
00:17:29: Wenn ich das möchte, ja, aber es ist kein Muss.
00:17:32: Genau.
00:17:33: Und das ist mir auch ganz wichtig, dass wir das in unserem Verein auch so weiterhalten.
00:17:38: Weil ich finde es so schön, wenn man sich auf der Fläche trifft mit lauter Leuten, die gerne da arbeiten, dann macht das so richtig Spaß, sich von den Gärtnerinnen angeleitet, da ums Gemüse zu kümmern, was zu machen, eine schöne Brotzeit dann in der Mittagspause zu machen miteinander und einfach einen guten Tag auf der Fläche zu haben und sich dran zu freuen an dem Beitrag, den man hier für gutes Essen leisten kann.
00:18:02: Ist da die Solavi in Rettenberg so ein bisschen oder kann vielleicht auch zum Vorreiter werden zu anderen Solavis im Allgäu?
00:18:12: Also ich glaube, dass andere Solavis auch irgendwo ähnlich sind.
00:18:18: Also Greckenhofen ist jetzt meine zweite Solavi, wo ich dabei bin.
00:18:22: und gerade dieses Prinzip der Freiwilligkeit habe ich auch kennengelernt in der Solavi, wo ich zuerst angefangen
00:18:28: habe.
00:18:30: Ich finde es einfach so wertvoll mit dieser Freiwilligkeit zu arbeiten.
00:18:35: Es macht so viel mehr Freude untereinander.
00:18:37: dann, ja.
00:18:38: Und sich auch wirklich immer wieder zu sagen, ja, und auch die anderen, die nicht zum Arbeiten kommen, die sind uns wichtig, weil sie ihren Beitrag bezahlen.
00:18:47: Weil sie es uns ermöglichen, dass wir auf diese Weise Gemüse produzieren.
00:18:52: Gerade bei Zeit, in der heutigen Zeit, alles ist schnelllebig, zack, zack, zack, Termin stresst die Leute, hetzen ja so durch an Alltag, durch an Arbeitstag.
00:19:03: Und wenn jetzt jemand ein Haus hat mit am Garten, dann denkt sich, oh Gott, ich habe jetzt schon zehn Stunden Arbeit in den Knochen.
00:19:09: Jetzt muss ich da auch noch irgendwie mal, ich will ja nächstes Mal auch Kartoffeln haben, also einmal ein bisschen da umgraben oder ich muss das und das setzen.
00:19:18: Und da ist es, Sie sagen auch, diese Zeit dann im Freien, diese Zeit an den Pflanzen.
00:19:25: Die nehme ich ja ganz anders wahr und vielleicht auch intensiver wahr.
00:19:29: oder das Gespräch mit Gleichgesinnten, als wenn ich abgehetzt irgendwo in meiner Gartenparzelle unten an der Iller, wo man an der Wurstel und Werte.
00:19:37: Genau.
00:19:38: Mir geht es einfach auch so, dass ich schätze, das mit den anderen das zusammen zu machen.
00:19:43: Es ist einfach schön, sich zu treffen, um zu sehen, was man dann auch schaffen kann.
00:19:47: Und wenn da so zehn, zwölf Leute auf dem Feld sind, Ja, passiert einfach was an so einem
00:19:52: Tag.
00:19:53: Und es ist auch total nett, weil es sind ja alle Altersgruppenvortreten.
00:19:57: Ja, da findet
00:19:57: jeder.
00:19:57: Ich meine, Rentner
00:19:58: haben den Vorteil, dass sie oft sich Zeit nehmen können.
00:20:02: Aber wir haben genauso junge Familien, die bringen dann die kleinen Kinder mit und dann leitet man auch die Kinder an und schaut, was die so machen können und
00:20:09: wollen.
00:20:09: Ja, ja.
00:20:10: Und ja, und dann hat man diese schöne Mittagspause miteinander und diese Verbindung, die ich da auch sehe, irgendwie ist es ja jedem wichtig, dieses gesunde, nachhaltig produzierte, lokal produzierte Essen einfach, das zu sehen, das ist möglich, sogar im Allgäu, sogar auf siebenhundertfünfzig Meter Höhe, wachsen Tomaten, Gurken, O-Baschinen und Brokkoli und Wirsing.
00:20:36: Rosenkohl und Grünkohl und ja, Wasser weiß ich alles.
00:20:40: Was ja
00:20:41: auch vorher gibt.
00:20:43: Wie in anderen Vereinen geschaut es bei Ihnen so mit Nachwuchs in Anfangszeichen aus.
00:20:46: Also, da wäre schon noch ein paar Blätzle frei, wo man sagt, Mensch, der Verein darf aufwachsen, nicht nur das Gemüse, sondern auch der Verein darf wachsen.
00:20:54: Ja, wobei der Verein eigentlich nur, der schafft ja nur die Organisationsform, sondern wichtig ist ja, dass wir Ernteteiler finden.
00:21:03: Weil die Ernteteiler, die bezahlen ihren Erntebeitrag und die erlauben es, die Kosten zu decken.
00:21:10: Und die Fläche ist auch wirklich groß und sie kann fünftig, fünftig Ernteanteile liefern.
00:21:15: Wir sehen das eigentlich im Moment auch an unserer Mitgliederumfrage.
00:21:20: Wir sind halt keine fünftig und von vielen Mitgliedern kam in der Umfrage die Bemerkung, der Ernteanteil ist zu groß.
00:21:29: Aber es ist ja auch logisch, wenn ich eine Fläche für fünf Fünfzig habe und ich weiß nur ein paar vierzig habe, dann sind das ja fast zwanzig Prozent extra für jeden.
00:21:37: Also wer das jetzt hört und in der Nähe wohnt oder sagt, ich möchte, kann euch jederzeit anschreiben oder einfach mal am Feld dran stehen und sagen, hey, ich hätte gerne noch einen Ernteanteil.
00:21:47: Unbedingt, ist es ganz einfach.
00:21:49: Greckenhofen, hinter der Zimmerei Jörg ist ein großes Gartengelände, das ist die Solidarische Landwirtschaft.
00:21:55: Ganz lieben Dank fürs Eintauchen in den Allgäuer Boden bei Ihnen in Greckenhofen, die Solidarische Landwirtschaft.
00:22:01: Klaus Kaiser, vielen
00:22:02: Dank.
00:22:15: Gerne.
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