Worte für den Abschied: Im Gespräch mit Trauerrednerin Alexandra Gebur

Shownotes

In dieser Podcastfolge sprechen wir mit der freien Trauerrednerin Alexandra Gebur über die Bedeutung persönlicher Abschiede. Sie gibt Einblicke in ihre Arbeit und erzählt, wie individuelle Trauerfeiern Trost spenden können. Ein bewegendes Gespräch über Erinnerung, Wertschätzung und den würdevollen Umgang mit Verlust.

Transkript anzeigen

00:00:03:

00:00:16: Heute ist mein Gast Alexandra Gebur.

00:00:19: Schön, dass Sie da sind.

00:00:20: Schönen guten Morgen an diesem Montag!

00:00:22: Ja schönen guten morgen.

00:00:23: freu mich hier zu sein.

00:00:25: Sie sind die Frau der richtigen Worte und zwar egal zu welchem Anlass.

00:00:31: Egal welchem Anlass, genau.

00:00:33: Sind?

00:00:33: Wie ist die offizielle Bezeichnung?

00:00:36: Ja ich nenne mich Freie Rednerin weil ich freie Zeremonien durchführe und zwar alle Arten Trauer feiern, freie Trauungen und auch Willkommensfeiern für Kinder.

00:00:47: Heute geht es um viele Worte.

00:00:49: Es geht vor allem um die passenden Worte je nach Anlass.

00:00:53: Ich sag's nochmal Alexandra Gebohr Freier RednerInnen!

00:00:56: Ich tituliere sie jetzt einfach zu Von wo sind Sie denn?

00:01:01: Sie sind eine Algo-Härerin.

00:01:03: Ich bin eine Algohäerin, bin in Kempten geboren und bin in Dietmannsried aufgewachsen und lebe heute auch mit Dietmansried.

00:01:10: War tatsächlich der erste Berufswunsch von Ihnen!

00:01:13: Ich wusste es natürlich.

00:01:14: Fragen freie Rednerin oder auch Trauerrednerinnen schon immer da?

00:01:19: Oder der Weg ging wahrscheinlich ganz in eine andere Richtung?

00:01:22: Also eigentlich komme ich von ganz woanders her.

00:01:26: Trauer rednerin war sicherlich kein... Raumberuf im eigentlichen Sinn, als ich aufgewachsen bin.

00:01:33: Gabs das glaube ich auch so in der Form noch nicht groß?

00:01:37: Trauerfeiern wurden von Pfarrern und Pastoren durchgeführt und diese Form der freien Zeremonie, ich glaub es hat sich erst viel viel später jetzt oder in den letzten Jahren so groß entwickelt.

00:01:50: Und deswegen kann ich jetzt nichts sagen!

00:01:51: Es war ein früher Wunsch und ist auch tatsächlich so dass ich da so ein bisschen wie die Jungfrau zum Kind kam.

00:02:00: Habe ich nicht geplant, um im eigentlichen Sinn.

00:02:02: Es ist wirklich auf mich zugekommen.

00:02:04: Ist eigentlich ja auch schön!

00:02:07: Von der anderen Seite.

00:02:08: Sonst hat man irgendwie einen Beruf so als Ziel, ja ich möchte das und das werden.

00:02:12: aber wie war es bei ihnen?

00:02:14: Gab's eine Situation oder auch eine Schlüsselsituation?

00:02:17: Schlüsselmoment sagt man ganz gerne wo sie gemerkt haben okay ich kann das oder ich wirke vielleicht auf Menschen entsprechend weil man braucht doch ein bisschen was an Voraussetzungen wenn man das machen möchte

00:02:32: dass sich gut reden kann.

00:02:34: glaube, das stand auch vorher schon außer Frage.

00:02:38: Aber ja es gab schon Schlüsselmomente für mich.

00:02:42: also ich war schon auf der Suche so mit Mitte vierzig sage ich mal oder Anfang vierzig zu überlegen womit will ich eigentlich die zweite Hälfte meines Lebens wenn sie denn so kommen darf verbringen?

00:02:54: was möchte ich beruflich weitermachen?

00:02:56: Also da gab es schon viele Fragezeichen in mir und auch der Wunsch etwas zu verändern.

00:03:01: Ich war lange Führungskraft in einem Unternehmen Und war eigentlich auch, ich sag mal gut versorgt.

00:03:07: Also es bestand jetzt keine Notwendigkeit für eine Veränderung im eigenen Sinn.

00:03:12: Das war eher ein innerer Wunsch zu sagen.

00:03:15: Ich möchte nochmal was ganz anderes machen.

00:03:17: Ich will viel näher an Menschen ran und man sagt immer so schön mit Menschen arbeiten und in gewisser Weise war das auch so.

00:03:28: Ja ich hab mich dann weiter gebildet eher im Bereich Coaching und Trainings Und in diese Richtung.

00:03:35: das Thema Trauer reden oder überhaupt reden, das kam tatsächlich über Zufälle.

00:03:40: Ich war selber Gast auf Trauerfeiern, kurze Zeit hintereinander drei Trauer feiern und da ist der erste Mal der Gedanke... Mensch, das ist verspannend!

00:03:51: Das könnte mir gefallen.

00:03:53: Das finde ich spannend und interessant.

00:03:56: Dann war der Gedanker aber erst mal wieder weg und dann wurde ich tatsächlich von einem Bekannten ein paar Tage später nur angerufen.

00:04:04: Der wusste, ich bin dabei, mich beruflich zu verändern und das hat mich einfach gefragt.

00:04:10: Du, mir ist da was angetragen worden für mich ist es nix.

00:04:12: aber ich habe so an dich gedacht du ja jetzt gerade alles auf den Kopf stellst.

00:04:17: Hast du dir schon mal überlegt Hochzeitsrednerin zu werden?

00:04:19: Dann hab' ich erst mal gefragt Was is denn eine Hochzeitzrednerinnen

00:04:23: hier?

00:04:25: Und dann kam so eins zum anderen und ich dachte so Ja Mensch Ich war ja auf der Trauerfeier und hab die Rednerin gesehen.

00:04:31: Und fand das sehr, sehr spannend!

00:04:34: Dann habe ich mich erkundigt... ...und dann war sehr schnell eine kleine Ausbildung gebucht.

00:04:42: Und dann habe ich es einfach gemacht.

00:04:44: Anders kann ich's nicht sagen.

00:04:46: Habe mich selbstständig gemacht.

00:04:47: Das war im Jahr zwei Tausend neunzehn.

00:04:48: Und habe nie mehr zurückgeschaut.

00:04:51: Es hat von Anfang an sehr, sehr gut funktioniert.

00:04:54: Ich lebe heute davon... ich mach das voll beruflich, hauferuflich.

00:04:59: Es ist eher manchmal so, dass es eher eng wird zeitlich.

00:05:02: also ich bin wirklich gut dabei und bin sehr glücklich mit dieser Aufgabe.

00:05:07: Zum Großteil geht's bei Ihnen um Lebensgeschichten!

00:05:10: Ich finde dieses Wort richtig schön weil es so allumfassend ist.

00:05:17: ein Mensch hat unfassbares erlebt.

00:05:22: bringen sie nochmals in ihre eigenen Worten, ja den Hinterbliebenen.

00:05:28: Weil es jemand vorhin schon gesagt so der Fokus ist ein bisschen auf Trauerzeremonie, freie Trauerreden und das ist eigentlich schon ein Schatz was man da auch an Wissen, an Geschichte, an Zeitzeugnis mitunter miterlebt oder auch mitbekommt.

00:05:47: Ja definitiv also.

00:05:48: die Generationen die jetzt gehen haben Dinge erlebt, da sind wir ganz weit weg.

00:05:54: Zweiter Weltkrieg, Nachkriegszeit, vertriebenen Geschichten ... Ganz viele, also gerade hier im Allgäu, wir haben ganz viele Familien die eine vertriebene Geschichte oder Historie haben und das auch zu würdigen und mit in ... Im Ganzen zu betrachten hat Einfluss auf das ganze Leben gehabt.

00:06:15: Und das entsprechend würdigend zu dürfen ja und insgesamt einen Menschen mit seiner Persönlichkeit einfach noch mal erleben zu dürfen in einer Trauerfeier.

00:06:26: Genau das ist das, was ich versuche den Menschen die Persönlichkeiten nochmal einzufangen ihnen nochmal vor uns zu sehen so wie er war mit allem was ihn ausgemacht hat durchaus auch mal Ecken und Kanten die haben wir alle gut so.

00:06:44: Also es darf kein oder sollte aus meiner Sicht zumindest kein gefärbtes Bild sein, nur schön und nur positiv.

00:06:51: Und nur toll!

00:06:52: Sondern das darf ein ehrliches Biopik sein wenn man so möchte.

00:07:01: Das merke ich auch bei den Angehörigen, dass tut ihnen wahnsinnig gut.

00:07:05: ja weil der Mensch den sie geliebt haben einfach wirklich nochmal gewürdigt wird erleben dürfen, wenn auch nur durch Worte.

00:07:13: Aber da geht ganz viel natürlich mit im Geist dem Herzen und das ist einfach schön.

00:07:18: Ja oftmals beginnt es ja mit Kind oder spätestens mit der Hochzeit wie die damaligen Brautleute sich gekannt haben, welchen Weg?

00:07:27: Wie viele Kinder dann Hausbau?

00:07:29: Das ist ja wirklich so ein Abriss wie so ein kleiner Film, der da ja auch vor einem abläuft.

00:07:37: Kommen Sie zu Ihrer Reden.

00:07:38: Also sie werden natürlich angefragt, wie schwer war der Weg am Anfang bei Ihnen?

00:07:43: In dem Jahr zwei tausend neunzehn haben Sie gesagt, Sie hatten dann ein Zertifikat in der Tasche.

00:07:48: Das ist mit Amt und Ziegel wusste ich jetzt auch nicht.

00:07:52: Es ist mit

00:07:52: amt und ziegel

00:07:53: in gewisser Weise schon aber es ist natürlich auch kein geschützter Beruf.

00:07:57: grundsätzlich darf den jeder ausüben.

00:08:00: Aber es gibt natürlich schon denke ich Ein paar wichtige Voraussetzungen, die man einfach mitbringen sollte.

00:08:08: Ich glaube wichtig ist einfach dass man Menschen kann, dass man

00:08:11: Empathie-Einfühlungsvermögen

00:08:13: mitbringt.

00:08:14: Dass man Verständnis hat für das was da gerade passiert, gerade in der Trauer?

00:08:19: Dass man es vielleicht auch selber erlebt hat zu trauern.

00:08:22: und ja also das ist denke ich mal das Wesentliche was man braucht diese Menschlichkeit und die Offenheit auf Menschen zuzugehen.

00:08:33: Ja, Offenheit fasst sich da eigentlich noch viel weiter.

00:08:36: Weil sie begegnen ja allem und allen also jede Art von Mensch steht vor ihnen und damit zurechtzukommen einerseits das ist nicht immer nur schön und auf der anderen Seite eben auch die Vielfalt des Menschseins und auch der Lebenswege zu erleben.

00:08:56: es ist ja kein einziger Weg wie der andere Und deswegen sind ja auch die Reden immer individuell und auch die feiern, weil man diesem einen Menschen gerecht werden möchte.

00:09:09: Und auch den Familien – also es ist ja nicht nur eine Richtung.

00:09:12: Es

00:09:12: ist wichtig

00:09:13: dass sich die Familien wiederfinden in dem was da gefeiert und gehördigt wird.

00:09:19: Wie ist das ein bisschen der Ablauf auch?

00:09:21: Sie unterhalten sich natürlich mit den Angehörigen, mit der Frau und dem Mann oder mit den Kindern.

00:09:28: Und schauen dass man so zumindest stichpunktartig das Leben ja mit skizziert und dann die verschiedenen Übergänge zu einzelnen Lebensphasen oder Abschnitten entsprechend in Worte bringt.

00:09:45: Ja wobei Das ist ein bisschen Abgrenze.

00:09:48: Meine Trauerreden beispielsweise sind keine Lebenslauferzählung, ja?

00:09:53: Und das ist mir wichtig dass mir auch ich sage jetzt mal Daten und Fakten weniger wichtig erscheinen wie jetzt zum Beispiel die Art und Weise wieder dieser Mensch, dieser Verstorbenen mit seinen Lieben, mit seinen Freunden, mit seiner Familie umgegangen ist Wie er gezeigt hat, dass er liebt wo sein Herz aufgegangen ist, wo er gerne war.

00:10:17: Also eher so das Menschsein an sich in den Vordergrund zu stellen und weniger ... Den Lebenslauf, sag ich mal.

00:10:25: Aber wie bekomme ich meine Informationen?

00:10:28: Ich führe immer vorher ein sehr ausführliches Trauergespräch.

00:10:32: Das geht bei mir tatsächlich auch in der Regel zwei Stunden mehr oder weniger.

00:10:36: Nee pauschal kann man das natürlich auch nicht ganz, ganz individuelle Angelegenheit logischerweise aber Keiner ist unter Zeitdruck.

00:10:45: Das ist auch wichtig, finde ich für die Angehörigen, weil sie sind so in ihrem, wie soll ich sagen, Sog mitunter drin.

00:10:53: Da passiert so ganz viel in ganz kurzer Zeit was man auch bewerkstelligen muss an Terminen wahrnehmen muss und Zeitdrucke...

00:11:06: Mir ist ganz wichtig.

00:11:07: dieses Gespräch möchte ich was sagen, ist das Zentrum meiner Arbeit.

00:11:12: Mir ist ganz wichtig dass die Menschen keine Angst davor haben oder am Ende wissen wir nicht genug oder was eben da dann auch immer noch für Sorgen dazu

00:11:20: kommen.

00:11:21: im Gegenteil es soll ein entspanntes Gespräch sein wo wir einfach einen Moment zur Ruhe kommen uns austauschen über diesen Menschen und vielleicht auch mal lachen zusammen über manches was so passiert.

00:11:36: Offenheit ist mir dabei sehr, sehr wichtig.

00:11:38: Also ich spüre wenn man mir nicht alles sagt das heißt nicht dass alles in einer Trauerrede verarbeitet werden muss im Gegenteil.

00:11:45: Das

00:11:45: geht ja erst mal ums Verstehen auch von dem.

00:11:47: Aber genau!

00:11:47: Ich

00:11:47: will dann verstellen es für diesen Menschen entwickeln und dazu gehört dieses Gespräch ganz wesentlich.

00:11:54: Frau Gebo ganz kurz haben wir vorhin das Zertifikat angesprochen oder ich wollte wissen also mit Amthor Ziegel sind sie Rednerin.

00:12:03: Verschiedene freie Zeremonien.

00:12:06: Was bekommt man denn da noch auf die Hand?

00:12:08: zur Naturtalente, sprich frei reden?

00:12:11: Sollte ich schon können mich gut artikulieren können auch was lernt man dann noch in dieser Ausbildung?

00:12:19: Das Wichtigste ist wie gestalte Ich Reden und Zeremenien?

00:12:23: dafür gibt es natürlich schon ein bisschen Handwerkszeug dass man mitnehmen darf in so eine Ausbildung.

00:12:30: Wie gestalTe Ich Gespräche Mit Menschen?

00:12:33: Das gehört auch dazu, wie gestalte ich eine Selbstständigkeit?

00:12:38: Klar ist es, dass man diesen Beruf in einer Selbständigkeit ausübt.

00:12:42: Dazu sollte man schon ein bisschen das Know-how

00:12:44: haben...

00:12:45: Genau!

00:12:45: Das

00:12:46: Büroarbeit gehört da

00:12:47: auf jeden Fall!

00:12:48: Leider gehört auch die Büroarbeiten und Buchhaltung und alles was daran hängt natürlich auch dazu ganz klar.

00:12:55: Jetzt läuft das über die IHK, über den Industrie- und Handelskammer.

00:12:59: Jetzt haben Sie mir gerade auch eher gesagt in Köln hatten sie ... Genau

00:13:02: ich habe bei der IHk zu Kölnen eine Prüfung abgelegt.

00:13:06: Das war auch tatsächlich eine richtige Prüfungen.

00:13:09: D.h.,

00:13:09: ich habe eine Aufgabenstellung bekommen durfte eine Rede verfassen und die dann vor einem Prüfungsgremium halten Und das wurde danach entsprechend bewertet besprochen und dann eben mit Zertifikat entsprechend gewürdigt sag' ich jetzt mal

00:13:25: Mit sehr gut befunden.

00:13:27: Naja, ich hoffe doch!

00:13:30: Wenn man fast

00:13:31: ausschließlich mit dem Tod zu tun hat damit konfrontiert wird wie bleibe ich?

00:13:40: Ich.

00:13:41: Das ist eine gute

00:13:41: Frage.

00:13:44: Ich glaube man muss selber schon vorher ein Ich gewesen sein das gehört dazu.

00:13:49: also man muss für sich selbst sicher stehen

00:13:52: im Leben

00:13:54: und stabil sein, also seelisch-psychisch eine gewisse Stabilität mitbringen.

00:14:02: Stärke ja!

00:14:03: Auf jeden Fall ein breites Rückgrat.

00:14:06: Auch und natürlich auch eine klare Grenze ziehen zwischen der Trauer die Angehörigen natürlich haben und der Erkenntnis dass das nicht meine Trauer ist.

00:14:18: Also ich bin natürlich betroffen gerade dann wenn es schwierige Umstände sind Schwierige Trauerfälle sind.

00:14:24: Das geht mir genauso ans Herz, das ist gar keine Frage.

00:14:29: Aber dennoch ist es nicht meins und das ist eine wichtige Grenze die man ziehen muss.

00:14:37: Deswegen is mein Mitgefühl nicht weniger.

00:14:39: aber

00:14:40: ich muss natürlich immer dafür sorgen dass ich für mich einen privaten Raum halte in dem auch anderes Platz hat.

00:14:48: Meins Platz hat, mein eigenes Leben Platz hat indem Ich schaue, dass es mir gut geht.

00:14:54: Dass ich Ressourcen für mich selber offen halte mit Dingen die mir gut tun und die ich mag.

00:15:01: Die lösen auch dann ein Stück weit von dem Thema.

00:15:06: Es ist schon sehr emotionsbehaftet.

00:15:09: Auch solche Reden oder sie kommen ja in Familienreihen ... Die Menschen, die verstorben sind, sind der unterschiedlichen Alter.

00:15:18: Das ist nicht nur so, dass das eventuell Großeltern-Generation ist.

00:15:22: Schon auch, wo man innerlich ein paar Mal so schlucken muss.

00:15:26: Also gerade ich glaube je jünger die Verstorbenen werden oder Kinder

00:15:30: evtl.,

00:15:31: dass das einem schon mal richtig an den Nieren gehen

00:15:34: kann?

00:15:35: Ja, es sind auch Fälle, die man nicht mehr vergisst.

00:15:38: Das ist ganz klar!

00:15:40: Es gibt einfach Bilder und Situationen, die ich erlebt habe, die trage ich mit mir weil sie tatsächlich wahnsinnig bewegend und sehr, sehr traurig waren.

00:15:54: Für die Familie natürlich in allererster Linie.

00:15:56: aber es ist klar wenn ein sehr junger Mensch zum Beispiel geht von dem wir alle sagen das hätte jetzt... Das ist einfach viel zu früh.

00:16:05: Da liegt ja eigentlich noch vor einem.

00:16:09: Das sind schon mit den schlimmsten Trauerfälle die man erleben und begleiten muss und trotzdem müssen sie begleitet werden.

00:16:19: Tief Überzeugung, dass wir Menschen in solchen Situationen beistehen sollten.

00:16:25: Und das trotzdem so würdig und so schön zu gestalten wie nur möglich um das Ganze ein Stück weit einzubetten in etwas was Trost spenden kann.

00:16:37: Bei Ihnen ist es nicht nur Beruf sondern auch Beruffunk möchte ich mal sagen.

00:16:42: Würde das auch so sehen?

00:16:45: Wie ist es manchmal, wenn man gerade in einem relativ kurzer Vergangenheit vielleicht aus dem Familienkreis bekannten Kreis jemand verloren hat?

00:16:54: Dann ist man ja eher ein bisschen noch näher am Wasser gebaut.

00:16:58: Wie ist das, wenn Sie so eine Rede halten?

00:17:02: Kullert da dann auch mal eine Träne runter... Man kann sowas nicht aufhalten!

00:17:07: Das passiert einfach.

00:17:08: oder wenn man über Menschen spricht Aus der Familie die nicht mehr da sind Bleibt die Stimme bei Ihnen dann?

00:17:17: Also es gibt auch bei mir natürlich Momente, wo die Stimmen wackelt oder wo mir eine Träne runterläuft.

00:17:26: Oder ich überhaupt sehr, sehr angerührt bin.

00:17:29: Auch bei Trauerfeiern sind manchmal einfach Gesten, die an mich anrühren und Worte, die auch mir ganz tief ins Herz gehen Ja, nee.

00:17:42: Also man ist kein Klotz natürlich in dieser Arbeit das ist ja klar.

00:17:45: also man fühlt mit den Menschen mit und ist da ganz mit dabei.

00:17:50: Das ist glaube ich dann auch das was man vielleicht Berufung nennen kann dass man das kann und trotzdem für sich stehen kann und da nicht untergeht und da sich nicht völlig einsaugen lässt in diese Trauer oder in das was da auf einen einstürmt.

00:18:07: Wenn ich Sie jetzt gerade mal beschreiben darf in Sachen Outfit Das ist ein schwarzes Kleid, so ein Plizee-Rock.

00:18:15: Also einen Kleid und eine Altrosee-Jäckchen.

00:18:20: Ein großer Jäckchchen?

00:18:21: Genau!

00:18:22: Und weiße Turnschuhe habe ich geschwistelt.

00:18:24: Also ein Teil von Ihnen ist jetzt schon arbeitstechnisch unterwegs... Wie guckt der Blick in Ihren Kleiderschrank

00:18:31: aus?!

00:18:31: Ich muss das fragen.. Ist das achtzig Prozent schwarz-grau an Trazit?

00:18:35: Auf gar keinen Fall.

00:18:36: also ich habe tatsächlich Kleidung die ich gezielt für Trauer feiern sozusagen Vorhalte.

00:18:42: Also ein gewisser Teil meines Kleiderschlanges ist tatsächlich, ja ich sag jetzt mal überwiegend schwarz.

00:18:48: aber ich selber vielleicht gerade aus diesem Beruf heraus trage inzwischen privat sehr gerne Bund.

00:18:57: Ich brauche auch diesen Kontrast, also ich möchte ihn nicht immer schwarz tragen.

00:19:00: Also früher habe ich ganz viel Schwarz getragen und lange vor diesem Beruf.

00:19:05: Wenn

00:19:05: man da im Business lookt er ist ja meistens aufgedeckt!

00:19:08: Genau genau und das hab' ich so für mich schon ein bisschen verändert.

00:19:10: vielleicht ist es auch eine Form der Abgrenzung zu sagen.

00:19:13: also Trauer feiern sind halt doch zumindest ganz häufig in schwarz Und deswegen,

00:19:20: ja

00:19:20: gibt es das natürlich auch immer im Kleiler.

00:19:23: Jetzt gerade Trauerfeiern so freie Zeremonien?

00:19:25: Das ist ein bisschen trendy nicht missverstehen aber das ist etwas was ich in den letzten Jahren ja ich sag mal ein bisschen aufgebrochen hat ein bisschen nicht ganz so statisch steif und verstaubt ablaufen muss.

00:19:39: die feier an sich die isst nicht mehr nur so wie's vielleicht katholischen doch sehr strukturiert ist von den Abläufen her.

00:19:49: Genau, also die freie Trauerfeier hat eben den riesen Vorteil dass man sich sehr individuell gestalten kann und es ist auch klar das ein Mensch der bunt gelebt hat und lustig war und einen anderen der wiederum eher ein gesetzter klassischer Charakter war, dass allein das schon zeigt, dass Trauer feiern unterschiedlich gestaltet werden können und dürfen und vielleicht sogar müssen.

00:20:15: Und man kann heute so viel machen, sei es mit kleinen symbolischen Handlungen oder Ritualen – das können auch nette lustige Dinge sein!

00:20:23: Es muss nicht alles tot ernst sein.

00:20:27: Das macht das Ganze individuell und hoffentlich auch schön.

00:20:32: Da muss man natürlich auch immer die Würde bewahren und auch was finden, was zum Anlass passt.

00:20:40: Aber man kann heute so viel gestalten, auch bunt und schön gestalten.

00:20:43: Und mit ganz viel Licht gestalten... ...und mit Musik!

00:20:47: So wie es eben den Menschen gut tut, wie's auch dem Verstorbenen entsprechen würde.

00:20:54: Ja, ja.

00:20:56: Ich hab auch Trauerfeiern, die wirklich partout lustig gedacht waren, weil dieser Mensch einfach so war.

00:21:04: Klar?

00:21:05: Da muss man eine gute Waage haben für, dass das dann am Ende aufwürdig voll ist.

00:21:10: Aber es funktioniert durchaus und das ist eben das Schöne.

00:21:14: Das haben Sie ja eingangs gesagt.

00:21:16: also sie haben dieses Zertifikat als freie Rednerin oder Rednerinnen für freie Zeremonien.

00:21:23: da fällt der Kategorie Trauer-Rednerin nur ein Teilbereich.

00:21:28: aber sie haben sich schon drauf fokussiert heißt jetzt aber nicht dass sie Hochzeitsfeiern nicht mehr machen würden.

00:21:36: oder welche Arten von Reden fallen denn in dieses freie Zeremonienrednerin?

00:21:43: Ja,

00:21:44: also natürlich gibt es die freien Trauungen.

00:21:47: Die inzwischen auch sehr, sehr beliebt sind bei vielen Braut- und Hochzeitsparen.

00:21:52: Und ich selber habe auch etliche Kinder Will Comments feiern durchgeführt.

00:21:57: Das ist für Familien, Keine Bührerungspunkte und das ist inzwischen ja doch häufiger mehr zu Kirche haben.

00:22:05: Und nicht taufen wollen oder können, oder zumindest nicht so diesem Zeitpunkt eine Zeremonie um das Kind im Kreise der Familie und Freunde willkommen zu heißen.

00:22:13: Das ist auch ganz was Schönes.

00:22:16: Ja diese Zeregonien gibt es natürlich auch und ich habe auch schon für goldene Hochzeiten diamantene Hochzeite E-Erneuerungen machen dürfen und so dass ist etwas ganz schönes Wunderbar.

00:22:32: Aber ja, für mich selber ist es einfach so dass sich in den letzten Jahren das Zunehmend in Richtung Trauerreden entwickelt hat.

00:22:40: Es ist einfach so... es hat sich so entwickelt!

00:22:43: Ich kann's nicht anders sagen ich mach sehr viele Trauerfeiern heute und dadurch haben sich die anderen Bereiche schon drastisch reduziert einfach weil ich das zeitlich nicht mehr alles unter einen Hut bekomme.

00:22:57: Bei vielen anderen oder Kolleginnen oder Kollegen ist es vielleicht gerade andersrum, dass sie eher in diese fröhliche und freudige Richtung sich orientieren.

00:23:06: Und vielleicht auch in Anführungszeichen spezialisiert haben.

00:23:10: Ist schön aber einfacher vielleicht vom mentalen Herd das auch zu verarbeiten?

00:23:17: Ich weiß nicht.

00:23:18: ich weiß durchaus so manchen Kolleginnen die sagen ja Trauer kann ich nicht.

00:23:25: Ich denke, das muss man akzeptieren.

00:23:26: Die Grenzen der einzelnen Personen, die Redner als Redner agieren und da ihren Berufsweg oder vielleicht auch nur Teilzeit oder so nebenberuflich das machen, die sagen sie können nur Hochzeiten Trauungen machen weil sie es einfach emotional schwierig finden sich mit dem Thema Trauer zu befassen ist natürlich vollkommen legitim und er mag sich das in eine andere Richtung entwickeln.

00:23:51: Ich glaube, da muss vielleicht auch jeder schauen wo er seine Spezialisierung findet und nicht verkehrt sich zu spezialisieren.

00:23:58: Ich tue das auch.

00:24:00: ich bilde mich ja auch weiter.

00:24:01: beispielsweise habe eine Weiterbildung gemacht als demenzfreundliche Trauerriednerin.

00:24:07: was ist es genau?

00:24:09: Das

00:24:09: ist die Begleitung von Familien die einen Angehörigen haben zum Beispiel ein Ehepartner der seinen Partner gerade verloren hat und den sie dann sozusagen auch bei diesem Trauerprozess begleiten müssen.

00:24:25: Wir tendieren dazu, Demenzkranke aus dem Prozess auszuschließen weil wir es ihnen nicht mehr zutrauen aber die sind eben Teil der Familie.

00:24:34: Sie trauern auch wenn vielleicht auch nicht offensichtlich.

00:24:36: Ja

00:24:37: anders!

00:24:37: Die trauen anders.

00:24:38: Genau also wir glauben immer sie haben's vergessen aber ich stelle immer wieder fest in der Praxis dass das irgendwo im Herzen sehr wohl angekommen ist Und man sollte möglichst dafür sorgen, diese Menschen einfach mit in diesen Prozess zu integrieren und dazu habe ich mich weitergebildet um das nach Möglichkeit einfach zu versuchen zumindest.

00:24:58: Vielleicht auf eine andere Art?

00:25:00: Man muss hier und da einfach Rücksicht nehmen auf die Bedürfnisse eines Demenzerkrankten Aber grundsätzlich sollte man diese Menschen nicht ausschließen.

00:25:10: Das ist so der Hintergrund dieser Ausbildung.

00:25:13: Ja auch ansonsten bilde ich mich natürlich weiter eine Ausbildung in Spiritual Care jetzt gemacht, weil ich eben schon merke auch in den Gesprächen, dass ... In gewisser Weise ist das einfach Seelsorge.

00:25:29: Ich auch als Rednerin

00:25:29: mache.

00:25:30: Das ist

00:25:31: ein ganz wesentlicher Teil meiner Arbeit und ich weiß, dass es die Menschen auch so empfinden.

00:25:36: also, ich habe zu vielen Angehörigen nach Jahren noch Kontakt weil man einfach merkt, wie sehr ihnen das auch geholfen hat.

00:25:43: Und gut!

00:25:44: Auch wenn ich Menschen auf dem Friedhof treffe und ich ja kenn sie wieder oder...

00:25:48: Man wird angesprochen?

00:25:50: Oder

00:25:50: ich werde angesprochen dann gehe ich natürlich darauf ein und das ist immer schön so in der Begegnung auch viele Monate oder Jahre später sogar.

00:25:59: Herzlichen Dank fürs Dasein und herzlichen Dank für den Einblick in Ihren Beruf.

00:26:05: Schrägstrich Ihre Berufung.

00:26:07: Danke schön Sehr gerne.

00:26:08: Danke, dass ich da sein

00:26:21: durfte!

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